Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Zellertag 1994 in Besigheim

Bilder vom Grab Magnus Friedrich Zellers in Besigheim

 
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Der Einladung nach Besigheim waren mehr als 60 Familienmitglieder gefolgt - von der dreijährigen Susanne bis zur neunzigjährigen Mathilde Zeller. Unter ihnen wurden die amerikanischen Verwandten besonders herzlich begrüßt: James und Jeanne Linderman und Brigitte Zeller-Mittemeijer waren eigens zum Zellentag über den Atlantik gekommen. Den gastgebenden Besigheimer Familien, voran Ulrich Zeller, sei für die glänzende Organisation hohes Lob gezollt. Die Kinder hatten an ihrem Betreuungsprogramm großen Spaß, und es war am Schluss zu spüren, dass auch Unbekannte miteinander warmgeworden waren.

Den Versammlungssaal schmückten neben dem Zellenwappen noch zwei Familienbilder: das Portrait des Lauffeuer Spezials Johann Jakob Zeller (ZB 19) und ein Bild des verunglückten Tübinger Universitätsgärtners Wilhelm Zeller (ZB 58), auf dem Totenbett dargestellt von seiner Tochter Emma. An den Tischen kursierten noch weitere kostbare „Mitbringerle", etwa ein Tagebuch Carl August Zellers (ZB 410) aus dem Jahre 1810.

Als wir das Zellergrab auf dem Stadtfriedhof aufsuchten, stellte sich heraus: Es war genau der 151.Todestag des Besigheimer Dekans und Stadtpfarrers Magnus Friedrich Zeller (ZB 53). Mit gerade 40 Jahren war er an Typhus gestorben. Und seine Frau Friederike geb. Herwig war schon ein Vierteljahr vorher ebenfalls dem Typhus zum Opfer gefallen. Zurück blieben neun Kinder zwischen einem und 14 Jahren. Jim Linderman, selbst ein Nachfahre, hatte die beiden Leichenpredigten aus den USA fürs Zellenarchiv mitgebracht.

Lohnend war trotz Herbsteskälte die Stadtführung. Rektor i. R. Nebel machte auf die verschiedenen Fachwerkformen aufmerksam: den „Schwäbischen Mann" am Rathaus, daneben einen Laden, bei dem noch die namensgebende Urform des hochklappbaren „Ladens" sichtbar war, und gegenüber dem Dekanat ein „Bohlenzimmer", wärmeisoliert und trotzdem durchlüftet. Die Stämme fürs Fachwerk waren auf Enz und Neckar aus dem Schwarzwald herangeflößt worden.

Den geschnitzten Hochaltar aus dem Jahr 1529, als Besigheim noch katholisch und badisch war, deutete Rektor Nebel uns auch theologisch. Christoph von Urach stellte darauf den Hl. Cyriakus bei der Heilung der besessenen Diokletianstochter Artemia dar. Der bis in die Politik hinein heilsame Glaube kommt aus der Predigt, und diese aus Gottes Wort. Ist es Zufall, dass Cyriak den Lutherporträts ähnelt? Jedoch dürfen wiruns den Zeller-Dekan nicht vor diesem Schnitzaltar vorstellen: erst vier Jahre nach dessen Tod wurde der Schrein wiederentdeckt. Zum Glück hatten ihn sowohl der evangelische Bildersturm als auch die kräftig einheizenden Franzosen Melacs verschont.

Zum Schluß des Familientreffens trat eine Mitgliederversammlung zusammen. Ernst Zeller, der Vorsitzende des Martinszeller Verbandes, brachte einen Antrag des Familienrats ein, seinen Amtsvorgänger Martin Zeller zum Ehrenmitglied zu ernennen. Gern und einmütig stimmten die Mitglieder zu, zumal der Geehrte versprach, sich deswegen nicht aus seinen Aktivitäten, vor allem im Leonberger Archiv, zurückzuziehen.
                                                                                                                                      Hans-Ulrich Dapp
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