Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Mit Hammer und Bohrstock in Portugal

von David Leube
(aus: Nachrichten des Martinszeller Verbands 2012, S. 32)

 
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    Eine Exkursion mit dem Bus nach Portugal, wo ein größeres Stück Land, nahe der schönen Stadt Évora, bodenkundlich kartiert werden sollte. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zumal dies die perfekte Möglichkeit war, die Praxistauglichkeit meines Theoriewissens auf die Probe zu stellen, meldete ich mich rasch an und trat am 20. Februar die Reise von Hohenheim aus an.
Wir bestanden etwa zur Hälfte aus einer Gruppe bemerkenswert motivierter Geologen und einem bunten Haufen aus Tierwissenschaftsstudenten („In Portugal gibt’s doch auch Kühe!“), Botanikern, die beim Anblick der reichhaltigen Flora des Mittelmeerraums mehr als einmal mit einem großen Fragezeichen im Gesicht durch die Macchie stolperten und einigen anderen, denen Deutschland im Februar schlichtweg zu kalt war.
    Auf unserer Reise nach Évora durchquerten wir Clermont-Ferrand, San Sebastián und Baños de Montemayor, wo wir jeweils eine Nacht verbrachten. Kleinere Zwischenhalte gab es reichlich, da es sich unser Professor nicht nehmen lassen wollte, uns auf unserer Fahrt gen Süden noch auf die kleinste geologische Veränderung aufmerksam zu machen. So hielten wir des Öfteren an Straßenrändern, Autobahnausfahrten oder auf Kreisverkehren, konnten dadurch jedoch auch am Wissen einer wahrlichen Koryphäe auf dem Gebiet der Geologie teilhaben.
Eisige Temperaturen und 30cm Schnee im Schwarzwald wichen schon bald dem milden Klima Südfrankreichs und Nordspaniens. Außerdem hatten wir einige Male die Möglichkeit einer kleineren Stadtbesichtigung, und so bekamen wir neben Feldspat, Quarz und Glimmer auch ein wenig Kultur mit auf den Weg.

    Ziel unserer Exkursion war es, eine etwa 2 x 0.5km große Fläche nahe Évora bodenkundlich zu kartieren. Mit einem Abstand von jeweils 50m zogen wir in sechs Gruppen parallel zueinander los, um wiederum alle 50m mit Hilfe eines Bohrstocks das Bodenprofil zu untersuchen. Da nicht alle Gruppen mit GPS-Geräten ausgestattet waren – alternativ gab es einen Kompass – führte dies häufig zu Diskussionen über die Kompetenz der benachbarten Gruppen. Doch auch ein GPS-Gerät ist nicht immer einfach zu bedienen. So liefen wir bisweilen mehrere Meter vor und zurück, nur um schließlich festzustellen, dass der nächste Bohrpunkt mitten in einem Kuhfladen lag.
   
Ausgestattet mit einem überdimensionierten Kunststoffhammer, konnten wir den gut 1m langen Bohrstock schließlich in den Boden schlagen, herausziehen und untersuchen. Dabei zeigte sich, dass Theorie nicht gleich Praxis ist, und Böden in Deutschland anders bestimmt werden als anderswo. Nichtsdestotrotz legten wir hochmotiviert und mit diversen Nachschlagwerken ausgestattet los. Zwar konnte sich nicht jeder für das Verfahren zur Unterscheidung von lehmigem Ton und Ton begeistern (Knirscht das Material zwischen den Zähnen?). Die Auffindung von Carbonat mit Hilfe von Salzsäure hingegen führte regelmäßig zu kleinen Ausbrüchen der Begeisterung – zumindest am ersten Tag (für alle Nicht-Chemiker, es blubbert und zischt). Einzig die Klassifizierung der Böden ließ uns meist mehr Raum zur Interpretation als uns lieb war.
   
Nach Abschluss der 5 Tage hatten wir den Dreh jedoch raus, die offenen Blasen an den Händen hatten sich verhärtet, Sand-, Schluff- und Tongehalt konnten wir schon allein vom Hinsehen bestimmen und die 2km Grenze waren geknackt.
    Nach einem weiteren Tag in Évora, den wir, wie man so schön sagt, zur freien Verfügung hatten, packten wir erneut unsere Rucksäcke, um die viertägige Rückfahrt anzutreten.

    Der Weg zurück nach Deutschland verlief durch den Süden Spaniens über Bailén, Jumilla, Benicàssim, und schließlich Nîmes, entlang des Mittelmeers, das trotz frischer Wassertemperaturen zum Baden einlud und ein paar kopfschüttelnde Spanier am Ufer zurückließ. Am 6. März schließlich, nachdem unsere Köpfe vor lauter Böden, Mineralien und geologischen Prozessen rauchten, erreichten wir abends Hohenheim.

    Es war eine schöne Fahrt, die mir dank der finanziellen Unterstützung des Martinszeller Verbandes möglich war.
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