Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Familientag am 18. September 1999 in Maulbronn

                      Die Teilnehmer im Kreuzgang-Garten vor der Brunnenkappelle:
 
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Es war gerade etwa ein Bus voll Zellerangehöriger, die am 18. September die Gelegenheit ergriffen, nach Maulbronn zu fahren. Kinder und Jugendliche waren dieses Mal leider nicht mitgekommen. Dafür konnten wieder Lindermans als die am weitesten Angereisten begrüßt werden, und besonders auch Hede Zeller, die hier an ihrem Geburtstag mit Bruder und drei Cousinen zusammentraf.

Kantorin Erika Budday führte uns durch die renovierten Seminarräume. Dabei tauten einige der Anwesenden sichtlich auf und suchten ihre Stuben aus der eigenen Seminaristenzeit - etwa zwischen 1945 und 1966 - auf, die noch die selben vertrauten Namen „Forum", „Hellas" oder „Sparta" führten, aber längst nicht mehr so spartanisch aussahen. Neu für alle war die „Abt-Entenfuß-Halle" mit ihrer Ausstellung im Erdgeschoss des Abtsgebäudes.

Präludium und Fuge von Bach erklangen anschließend in der Klosterkirche an den Grabtafeln zweier Zellervorfahren:

Das Grabmal von Johannes Zeller (ZB § 393), dem Begründer der Maulbronner Zellerlinie, ist in der zweiten rechten Seitenkapelle von hinten leicht auszumachen. Unter dem Rosenwappen steht die lateinische Inschrift
(Übersetzung:  Dem ewigen Gott und dem Verstorbenen Zeller geweiht. Der Abt dieses Klosters, der 17. nach der Reformation, Johannes Zeller, Theologe, (...) zuerst Pfarrer der Kirchengemeinden von Neuweiler, Münklingen  und Lienzingen, darauf Dekan der Kirchenbezirke Waiblingen und Vaihingen, später Klostervorsteher von Alpirsbach und endlich Maulbronn. Württembergischer Rat, einer von vier Superintendenten, Mitglied der Aufsichtsbehörde der Landschaft, gleicherweise Gott, dem Landesherrn und dem Volke lieb. Im Lauf so vieler verschiedener Ämter und beschwerlicher Pflichten, so vieler Schicksalsschläge, insbesondere durch drei Kriege, war er geistesgegenwärtig, tüchtig, integer und tapfer, immer sich selbst ähnlich. Nachdem er ein verdienstvolles Leben mit ehrenvollen Aufgaben durchmessen hatte, blieb er auch im höchsten Alter noch rüstig. Am Jakobustag nahm er von der Kanzel herab mit fester Stimme und völlig bei Kräften Abschied von seiner Gemeinde. Selbst ein Diener Gottes, begehrte er mit dem Spruch Simeons seine Entlassung. Am dritten Tag darauf verschied er friedlich an einem Hirnschlag, im Jahre des Heils 1694, 74 Jahre alt.)
Am Fuß der Grabplatte ist der Vers Lukas 2,29 angegeben („Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren."). Daneben befindet sich das Relief eines bärtigen Mannes mit Abtsmütze und dem Jesuskind auf dem Arm - womöglich ein Porträt Zellers in der Rolle Simeons?


Das Epitaph seiner zwei Jahre zuvor verstorbenen Schwiegertochter ist schwieriger zu finden. Er befindet sich in der - von hinten gerechnet - siebten Seitenkapelle rechts unter dem Teppich. Maria Elisabeth Zeller geb. Ruoff (ZB §394) starb 1692 nach der Geburt von acht Kindern mit 30 Jahren. Ihr Mann war Klosterpräzeptor und Prediger. Alle Anwesenden, die sich der Maulbronner Linie zurechnen (Zeller/Cannstatt, Zeller/Herrenberg, Reinke, Bossenmaier), stammen von den beiden ab.

In Kieselbronn tagte nach dem Essen kurz der Familienrat, und anschließend folgte eine Mitgliederversammlung. Wichtigster Punkt war dabei die Satzungsänderung, die von den anwesenden 30 Mitgliedern einstimmig beschlossen wurde.

Neu sind folgende Akzente in der Satzung:
- Vereinszweck ist ab jetzt auch ausdrücklich die „Pflege einer zukunftsorientierten Familienkultur" (§ 1),
   nicht nur die Förderung der Familienforschung im Blick auf vergangene Zeiten.
- Dazu kann der Verein die „Bildung und Ausbildung junger Menschen zu verantwortungsbewussten Mitgliedern
  der Gesellschaft fördern" (§2) und „gemeinnützige Familien- und Studienstiftungen unterstützen oder gründen" (§3).
- Sofort wurde deshalb auch die Gründung einer „Familienstiftung des Martinszeller Verbandes" einstimmig
  beschlossen. Diese soll Familien mit Kindern in der Ausbildung durch Darlehen sowie bedürftige
  Familienmitglieder durch Zuschüsse unterstützen. 
Nun hat der Familienrat die Aufgabe, dafür ein Sonderkonto zu eröffnen und einen Stiftungsrat einzusetzen.
Weitere kleine Änderungen:
- Nicht der Vorstand, sondern der Familienrat beschließt Anschaffungen über 1.000 DM (500 Euro). 
- Referenten für Forschung, Archiv und Jugend können den Vorstand erweitern.
- Das Wort „Ersatzmann" in §8,2 wurde durch „Ersatzperson" ersetzt - wobei auf eine völlige Überarbeitung des
  Satzungswortlauts im Blick auf die Gleichberechtigung einstweilen noch verzichtet wurde.


Eine interessante Anregung brachte Jim Linderman ein. Die meisten Familienmitglieder in den USA kommunizierten schnell und preiswert über E-Mail. Ob nicht das ein Weg sei, die Kontakte im Verband zu verbessern und auch wieder mehr junge Menschen zu interessieren? Er selbst hat bereits mit einem Neffen eine Internet-Seite für den Martinszeller Verband entworfen. Die Idee wird uns sicher weiter beschäftigen, denn zum Umkreis des Verbandes gehören 400 junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren. Gelingt es nicht, dass sie ihn einmal weiterführen und weiterentwickeln, dann sind seine Jahre gezählt.

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