Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Der Erste Weltkrieg
- im Spiegel der Briefe Gefallener -

Hier wurden zwei Beiträge aufgenommen:
1. zu Friedrich Zeller: Liesel Reichle-Zeller, in: 450 Jahre Zeller aus Martinszell, Festschrift, Hg. Martinszeller Verband e.V. zum 150
   Jahrestag der Zellerstiftung von 1838, Stuttgart 1988, S. 189-198
2. zu Eugen Zeller:
Gerhard Zeller, in: Sonderveröffentlichungen des Martinszeller Verbandes Nr. 19, Stuttgart 2007, S. 49-64
 
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                     Postkarte: Der Württembergische König Wilhelm                          Postkarte: Wahlspruch Kaiser Wilhelms II. 1913 
                          besucht den Friedhof in Miraumont, auf dem                                          („Stark sein im Schmerz ...“)
                                        Eugen Zeller ruht (1915)

1. Aus dem Kriegstagebuch von Friedrich Zeller (NFD 77)
gefallen bei Ypern 25. Sept. 1916   /   von Liesel Reichle
"Mein Vater, Dr. rer. nat. Friedrich Zeller (NFD 77), Oberreallehrer am Königin-Olga-Stift in Stuttgart, war zu Beginn des Ersten Weltkriegs wegen eines Knieschadens nur garnisondienstfähig geschrieben worden und bildete dann zunächst als Feldwebel (Offiziersstellvertreter) in Münsingen beim Inf. Reg. 414 Rekruten aus. Als der Krieg sich in die Länge zog, hat er sich aber freiwillig an die Front gemeldet. - Am Abend des 24. Juli 1916 war der Abmarsch des Grenadierregiments nach Ulm; von dort aus fuhr der Zug nach Norden. Schon am 26. Juli war man in 'I'hourout (Torhout) in West-Flandern, südlich von Ostende. Im Sommer 1916 waren in Flandern keine Kampfhandlungen. Die Mannschaften lagen zu Kursen und weiterer Ausbildung in verschiedenen flandrischen Orten - Cortemarck, Couckelaere, Zarren und andere - bis sie gegen Ende August in die Schützengräben des Stellungskriegs entlang dem Ostufer des Yserkanals nördlich von Ypern einzogen. Die feindlichen Stellungen auf dem höheren Westufer waren von Belgiern besetzt.

Die tödliche Kugel traf meinen Vater vor dem Schützengraben bei der Klosehofstellung, als er am 25. September früh morgens bei Nebel allein einem verdächtigen Draht nachging. Er wurde im Friedhof Nachtegaal bei Jonkershoven beerdigt. Heute ruht er im Kameradengrab des Kriegerfriedhofs Langemark."

 

2. Eugen Zeller (1893-1914) - Frühes Opfer des Ersten Weltkriegs  (NFD 142.2)
gefallen bei Miraumont 18. 11. 1914   / von Gerhard Zeller
„Stud. mach.“ lese ich im Zellerbuch 1974, „gefallen als Leutnant d. Res. 18. 11. 1914 bei Miraumont“. 70 Namen umfasst die Liste der Opfer von Krieg und Gewalt in der Nachfahrendokumentation, sie liest sich wie eine Chronologie der großen Schlachten beider Weltkriege. Eugen ist eines dieser Opfer. Gefallen. Aber in keiner großen Schlacht, eher ein zufälliges Opfer, irgendwo in einem Schützengraben an der Westfront. „Gefallen“ – was für ein Wort! Man „fällt“ einfach hin und steht nicht wieder auf, was ist hinter diesem „Fallen“? Ein Bild von Eugen gibt es, in der „kaiserlichen“ Uniform, die Hände auf den Säbel gestützt, ein glattes, unverbrauchtes Gesicht, der Blick offen, freundlich, zugleich ernst. Auch auf den Familienbildern von Heinrich und Felicitas Zeller, von denen es einige gibt – man war zu Hause in Backnang ja modern und besaß schon früh einen Fotoapparat –, ist Eugen immer so zu sehen. Unwillkürlich fragt man, was hinter dieser Stirn wohl vorgehen mag. Eugen Zeller macht einem die Annäherung nicht leicht. Seine Briefe, von denen eine große Zahl erhalten ist, enthalten präzise Beschreibungen und scharfsinnige Beobachtungen. Gefühle wie Begeisterung oder Empörung findet man nur selten und meist zwischen den Zeilen. Aber sie sind durchaus da.

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