Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Christian Zeller (1822-1899)

Rektor des Waisenhauses und Lehrerinnenseminars in Markgröningen

Vortrag von Dr. Herbert Leube (154.1) beim Zeller-Familientag 2001 in Markgröningen
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Vor über 100 Jahren, am Mittwoch, dem 31.5.1899 starb Julius Christian Johannes Zeller (ZB § 136) und wurde am Freitag, dem 2.6. in Cannstatt auf dem Uff-Friedhof bestattet. Christian Zeller war im klassischen Familiensinn ein Patriarch. Gerhard Zeller hat vor wenigen Jahren wieder seine kaum übersehbare Nachkommenschaft zusammengestellt. Von seinen neun Kindern haben sechs eine eigene Familie gegründet; zwei starben als Säuglinge; die Tochter Adelheid lebte nach dem Tod der Eltern unverheiratet in Cannstatt. Aus der Zahl der 36 Enkel haben wieder 17 geheiratet. Und vollends in unsrer und eurer Generation wird es ganz unübersichtlich.

Aber das alles hat erst gar nicht so nach Großfamilie und glücklichem Kinderreichtum ausgesehen. Christian Zeller selbst wurde 1822 als zehntes in einer Reihe von elf Kindern geboren. Seine Eltern waren der von Palm'sche Rentamtmann Gottlob Zeller in Mühlhausen bei Cannstatt (ZB §l33) und seine Frau Friederike Moser, eine Tochter des bekannten, gemütvollen Garnisonspredigers Christian Friedrich Moser in Stuttgart. Von den elf Geschwistern erreichten aber außer unserem Christian nur der älteste Bruder Hermann, der spätere Pfarrer in Neckarweihingen, und die Schwester Wilhelmine, zweite Frau des Lichtensterner Inspektors Ludwig Völter, das Erwachsenenalter. Außer unserem Christian hatte nur Hermann Kinder, die erwachsen wurden. Wir müssen uns vor Augen halten, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Kindersterblichkeit noch sehr hoch war.

Aber nun zurück zu Christian. Bei seinem Dienstantritt als Pfarrer in Weiler bei Schorndorf trug er der Gemeinde wie üblich seinen Lebenslauf vor. Darin heißt es: „In meiner Erziehung, bei welcher der Unterricht durch öftere, zum Theil gefährliche Krankheiten unterbrochen wurde, wurden die Eltern durch den Pfarrer des Orts (Mühlhausen) Mag. Lebret1 und meine älteren Geschwister unterstützt. Später im 12. Lebensjahr kam ich in die Schule des Praez. Richter2 zu Marbach u. im Jahr 1836 sodann in das Seminar zu Schönthal, wo mir insbes. von dem damaligen Prof. Hauff und seinem Hause3 viel Gutes bewiesen worden ist . Die Hohe Schule zu Tübingen bezog ich mit meinen Altersgenossen im Herbst 1840 und hatte hier Gelegenheit mein Wissen zu erweitern und manches theure Freundschaftsband zu schließen. ... Blicke ich zurück auf die vier dort zugebrachten Jahre, so geschieht das mit dem Gebet, daß der Herr nicht gedenken wolle der Jugendsünden, in welche der Abfall von ihm und der Dünkel menschlicher Weisheit und menschlichen Witzes mich gebracht hat.“

So entsetzlich können die Jugendsünden allerdings nicht gewesen sein, ja wir fragen uns geradezu, was er in Tübingen Schlimmes begangen hat. Christian Zeller war Stiftler; Zucht und Ordnung im Theologischen Stift waren streng, noch immer fast klösterlich. Gab es da Gelegenheit zu Jugendsünden? Christian Zeller war Mitstifter der Verbindung Nordland, die später in die Verbindung Normannia übergeleitet wurde. Sie rekrutierte sich vielfach aus Studenten des Stifts, also aus zukünftigen Theologen. Im Vordergrund stand die Pflege von Freundschaft, Geselligkeit, Geist und Allgemeinbildung. Es herrschte eine ideelle, nationale Gesinnung. Fechten wurde abgelehnt, der Reitsport gefördert. Wir können uns schwer vorstellen, dass Christian Zeller in einem solchen Freundeskreis über die Stränge gehauen und Jugendsünden begangen hat. Doch möglicherweise hatte er das Gefühl, das Theologiestudium nur mit halbem Herzen betrieben und dafür zu sehr seiner Neigung zu naturwissenschaftlichen Studien nachgegeben zu haben. Sein eigener Bericht über seine Studienzeit klingt ja auch merkwürdig mager.

Der Studienrat testierte in seinem lateinischen Zeugnis beim Magisterexamen 1844:
Neben stabiler Gesundheit bei mittlerer Statur ein anständiges Auftreten, gute Sitten und ausdauernder Fleiß.
Das Theologiestudium betrieb er mit mehr als mittelmäßigem Erfolg. Seine Predigt war recht gut ausgearbeitet, er hielt sie weitgehend auswendig.
In Philologie und Philosophie leistete er nur Durchschnittliches.
Gesamtnote: zureichend, III a.


In seinem Promotionsjahrgang tat er sich nicht besonders hervor. Er schloss als 17. von 26 Absolventen ab.

Aber beim Consistorialexamen, gegen Ende der Vikariatszeit 1851, das zur Anstellung im Kirchendienst führte, heißt es immerhin:
Den Text Joh. 10, 17-18 legte er in einfacher Weise aus und trug dazu biblische und allgemein treffende Sprüche mit bemerkenswerter Beredsamkeit und vorzüglichem Auftreten vor. / Gesamtnote: gut, II b.


Wir verfolgen weiter seinen selbst verfertigten Lebenslauf und finden hier vielleicht einen Hinweis auf die so genannten Jugendsünden: „Die eigentliche hohe Schule (des Lebens) begann für mich mit dem Eintritt in den Kirchendienst. Ich war an verschiedenen Orten, namentlich 7/4 Jahre bei Pfarrer von Breitschwert4 in meinem Geburtsort (Mühlhausen), zwei Winter bei meinem Bruder Pfarrer Hermann Zeller in Döffingen u. je einen Sommer bei Pfarrer Roos5 in Steinenbronn und Pfarrer Strebel6 in Weil im Schönbuch als Vikar angestellt. Diese Männer sind mir, ein jeglicher nach der Gabe, die er empfangen hat, von Segen gewesen. Ihrem treuen Beistand und der Arbeit des Heiligen Geistes verdanke ichs, daß allmählich die Decke vom Herzen fallen und das Evangelium seine heilende und beseligende Gotteskraft mir offenbaren konnte. - Ohne mein Zuthun wurde ich im Herbst 1848 als Repetent und Lehrer an das Seminar zu Schönthal berufen.“

Von den hier genannten Pfarrern, die Christian Zeller während seiner Vikariatszeit betreuten, standen vor allem Roos und Strebel der am Pietismus ausgerichteten Basler Christentumsgesellschaft nahe. Roos hatte wesentlichen Anteil an den Einigungsbestrebungen zwischen der altpietistischen Gemeinschaft und den Hahn'schen Brüdern. Strebel hatte in Stetten eine Anstalt der Inneren Mission geleitet. Christian Zellers Worten können wir daher entnehmen: Es wurde ihm offenbar bedauernd bewusst, dass er sein Theologiestudium in Tübingen eher halbherzig oder nüchtern absolviert hatte und nun durch die Mentoren seiner Vikariatszeit zu einem bewussten, im pietistischen Sinn geprägten, am Evangelium orientierten persönlichen Christentum hingeführt wurde. Ein eher pietistischer Geist muss ja schon im Elternhaus geherrscht haben. Denken wir nur an den als führenden Pietisten bekannten mütterlichen Großvater, den Garnisonsprediger Moser, der sich auch als erster Vizepräsident der Württembergischen Bibelanstalt einen Namen gemacht hatte.

Am Seminar Schöntal unterrichtete Christian Zeller Mathematik und Geographie. Unser Zeller-Archiv in Leonberg verwahrt ein Manuskript von ihm zur Landeskunde von Württemberg, das ihm wohl als Grundlage für seinen Unterricht gedient hat. Ganz sicher hat er sich selbst in der Schöntaler Zeit in Mathematik weiter gebildet, ein Fachgebiet, das ihm persönlich ganz besonders am Herzen lag. Davon später mehr. In Schöntal hat Christian Zeller auch durch das Vorbild des damaligen Seminarvorstandes Ephorus Roth eine hohe Meinung vom Beruf des Erziehers erhalten. Er schrieb in seinem schon zitierten Lebenslauf:

Unvergeßlich bleibt mir auch, was für uns Lehrer und für die ganze Anstalt ihr Vorstand, Ephorus Dr. Roth7 , mein nachmaliger Schwiegervater gewesen ist. Streng gegen sich selbst und in den Anforderungen der Pflicht stellte er durch sein eigenes Vorbild uns den Segen vor Augen, der im Erzieherberufe auf einfache Haushaltertreue, verbunden mit Nachdruck und Ernst und fortgehender Arbeit am eigenen Herzen gelegen ist.

Noch als er in Schöntal war, verlobte sich Christian Zeller im Sommer 1853 mit Roths Tochter Käthe; Roth war da schon Gymnasialrektor und Oberstudienrat in Stuttgart geworden. Die Hochzeit war im Jahr darauf, nachdem Zeller auf eine ständige Pfarrstelle, die von Gaisberg'sche Patronatspfarrei Schöckingen bei Leonberg berufen worden war. In der Familie Zeller wurde gelegentlich der Verdacht geäußert, und das Tübinger Zeugnis zum Magisterexamen deutet darauf hin, die Theologie sei nicht Zellers starke Seite gewesen. Dennoch muss er sich in Schöckingen als ein angesehener, fähiger und beliebter Seelsorger bewiesen haben. Vom 31.3.1864 datiert eine Eingabe des Diözesanvereins Leonberg an das Konsistorium mit der Bitte, Zeller bei der Neubesetzung des Dekanats Leonberg zu berücksichtigen; das Konsistorium ernannte aber dann den Blaubeurer Diakon Wächter auf diese Stelle.

In Schöckingen blühte die junge Familie: Dem Pfarrerpaar wurden dort sieben Kinder geschenkt. Zwei davon mussten die beiden schon als Säuglinge wieder hergeben. Das Erwachsenenalter erreichten

-   Karl, später Pfarrer, zuletzt in Enzweihingen,

-   Helene, die den Kameralverwalter Eugen Völter heiratete,

-   Wolfgang, lange Pfarrer in Schussenried, Heinrich, Arzt in Backnang,

-   Adelheid, die bei den Eltern blieb.

Als die Kinder größer wurden, meldete sich Christian Zeller 1868 auf die Pfarrei Weiler im Remstal, vor allem wegen der durch die Nähe Schorndorfs besseren Schulverhältnisse. In Weiler, einem kleinen Dorf zwischen Schorndorf und Winterbach, wurde Zeller neben seiner Pfarrei zum Bezirksschulinspektor ernannt. In Weiler vergrößerte sich die Familie auch weiter; eine kleine Antonie kam dazu, die später den Heilbronner Professor und Genealogen Max Cramer heiratete. In Weiler traf die Familie aber auch das schwere Schicksal, dass die geliebte Hausmutter Käthe nach 20jähriger Ehe an einer Magenkrankheit sterben musste. Das war im Jahr 1873, am Verlobungstag des Paares, dem 24. Juni.

Für Christian Zeller und seine verwaisten Kinder hatte schon das darauffolgende Jahr 1874 eine neue Herausforderung bereit, als er zum Direktor an die Doppelanstalt, das Waisenhaus für Mädchen und das Lehrerinnenseminar in Markgröningen berufen wurde. Die Berufung mag für Zeller nicht ganz unvermutet gekommen sein. Er war ja früher Seminarlehrer gewesen; und von Schöntal aus hatte er sich einmal um eine Hauptlehrerstelle am Lehrerseminar Nürtingen beworben, allerdings ohne Erfolg.

Die Anstalt Markgröningen bestand bei Zellers Berufung erst ein Jahr. Der erste Rektor Hory war kurz nach Errichtung des Seminars verstorben. Zeller trat sein Amt am 9.12.1874 an. Schon im darauffolgenden Monat, am 28.1.1875 verheiratete er sich zum zweiten Mal mit Sofie Völter. Sie war wie seine erste Frau die Tochter eines bekanten Schulmanns, des Pfarrers Ludwig Völter, des früheren Inspektors der Rettungsanstalt und des Lehrerseminars Lichtenstern, einer Anstalt, die Völter im pietistischen Sinn nach dem Vorbild der Zeller'schen Anstalt Beuggen aufgebaut und geleitet hatte. Dieser zweiten Ehe entspross der Sohn Johannes, der spätere Reichsbahningenieur.

Die Markgröninger Anstalt lag im ehemaligen Schloss. Das Gebäude war zuvor als weibliche Strafanstalt genutzt worden. Den Mittelpunkt bildete das Waisenhaus im alten Schlossbau mit hellen, bequemen Räumen für etwa 50 Mädchen, Schulsäle, Arbeits- und Spielzimmer und Schlafräume. Dazu kamen der Verwaltungsbau - hier waren Küche und Speisesaal für die Seminaristinnen und Waisen, der Bet- und Festsaal und das Amtszimmer des Rektors - und zum Torturm hinüber der sog. Schulbau, der dem Lehrerinnenseminar diente. Der alte Fruchtkasten wurde als Turnsaal genutzt; ein Krankenbau war da, eine Waschküche und ein Badhaus. Ein großer Garten mit Turnplatz rundete das Areal ab. Schließlich sei die Badeanstalt an der Glems nicht vergessen.

Rektor Zeller hatte neben seinen Pflichten als Dozent am Lehrerinnenseminar und seinen seelsorgerlichen Aufgaben an den beiden Anstalten eine umfangreiche Korrespondenz in der Betreuung der Waisenkinder zu führen. Es handelte sich z.B. um Gesuche um Landköstlinge. Landköstlinge waren Waisenkinder, meist Halbwaisen, die Anspruch auf staatliche Hilfe hatten, aber außerhalb der Anstalt in Privatfamilien, bei Verwandten, meist bei ihren verwitweten Müttern, lebten. Es gab aber auch Bitten um Dienstmädchen, Altenpflegerinnen, Ladenhilfen, Kindsmädchen, Bitten Kinderloser um eine Waise zur späteren Adoption. Zu seinen Aufgaben als Waisenhausvorstand gehörte auch

-   geeignete Unterbringung der Landköstlinge

-   Nachfrage nach der ordentlichen Versorgung der untergebrachten Landköstlinge

-   Versorgung der Konfirmierten nach dem Austritt

-   Ausbezahlung der vom Kostgeld gebildeten Spargelder an die mündig Gewordenen.

Im Jahr 1869, fünf Jahre vor Zellers Bestallung als Rektor des Lehrerinnenseminars war Dr. Hermann Werner als Stadtarzt in Markgröningen berufen worden. Er kam mit einer großen töchterreichen Familie aus dem hohenlohischen Ingelfingen. Mit dem Haus Zeller entwickelte sich sofort ein sehr freundschaftlicher Verkehr, der schon 1881 in eine Hochzeit mündete, als der älteste Zellersohn Karl Pfarrer in Geislingen am Kocher wurde und die älteste Wernertochter Ottilie freite. Wie daraus ein vierfach geschlungenes Band zwischen vier Zellersöhnen und vier Wernertöchtern wurde, wisst Ihr wohl alle. Eberhard Zeller hat die Markgröninger Familienverhältnisse des späten 19. Jahrhunderts liebevoll und anschaulich in der Zeller-Festschrift 1985 geschildert.

Bei der Hochzeit des Sohnes Heinrich mit Felice Werner nahm Christian Zeller 1891 selbst darauf Bezug:

Heinrich wurde dir verwandt,
schon als Karl die Gattin fand,
und du sprachst, es ist von Nutzen,
jetzt kann ich ihn ferner duzen.


Und dann wurdet ihr verwandter,
als die zweite freit der ander.
Und verwandt im Komparativ
Heinrich dir zur Seite lief.


Noch einmal hat sichs gesteigert,
als du nicht das Ja verweigert;
was du nach Berlin ihm sandtest,
macht euch nun bereits verwandtest.


So verwandt durch alle Grade
ziehet hin mit Gottes Gnade!
Superlativisch Glück und Heil
sei auch ferner euer Teil!


Worüber viele von uns nur wenig wissen, das sind die mathematischen Studien, die Christian Zeller sicher schon als Student in Tübingen und während seiner Vikariate betrieben hat, denn er wurde in Schöntal ja als Mathematiklehrer eingesetzt. Werner Zeller hat diese lehrenden und forschenden Aktivitäten seines Großvaters auf dem Gebiet der Mathematik vor 20 Jahren untersucht. Er schrieb: Über seine Lehrtätigkeit in Geometrie und Arithmetik (in Schöntal) hat Christian Zeller eine anerkannte wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Zahlentheorie entwickelt. Der daraus hervorgegangenen Publikation „Ein neuer Beweis des Reziprozitäts-Theorems“ (Berlin 1872) folgten weitere:

-   De numeris Bernoulli eorumque compositione ex numeris integris et reciprocis primis (Paris 1881).

-   Zu Eulers Recursionsformel f'ür die Divisorensummen (Stockholm 1884).

-   Kalenderformeln (Stockholm 1886).

Seine mathematisch-wissenschaftlichen Arbeiten brachten Christian Zeller in Kontakt mit zahlreichen Wissenschaftlern im In- und Ausland. Ein umfangreicher Briefwechsel und zahlreiche Sonderdrucke von Arbeiten von Fachkollegen zeugen noch heute davon. Anerkennung fanden seine mathematischen Arbeiten auch 1882 durch seine Aufnahme in die Societé Mathématique de France in Paris. Schließlich sind sogar noch Lehrbücher z.T. aus dem 18. Jahrhundert vorhanden, aus denen Zeller sicher als Student geschöpft hat. Es mag interessieren, dass eine mathematische Schrift darunter ist, die sein Großonkel, der Gymnasialprofessor Johann Wilhelm Camerer8 1813 verfasst hatte. Ja, wir fragen uns geradezu: Lag ihm von daher die Liebe zur Mathematik schon im Blut?

Werner Zeller fährt weiter fort: Zum Lebensbild von Christian Zeller, das durch sein mathematisches Interesse vielleicht stärker geprägt war, als man bisher angenommen hat, gehört zu guter Letzt auch noch, dass er seinen jüngsten Sohn Johannes in den letzten Jahren der Schulzeit im Karlsgymnasium dazu bewogen hat, an der Technischen Hochschule in Stuttgart Bau-Ingeni­eurwesen zu studieren. Während der vorhergehenden einjährigen Militärzeit 1895/96 hat der 73jährige Vater Mathematik-Aufgaben gestellt, die der Sohn als Vorbereitung lösen sollte. Der Abgang vom humanistischen Gymnasium ließ zu jener Zeit noch eine wesentliche Lücke in der Mathematik...

Seine gute Gesundheit machte es Christian Zeller möglich, sein Amt bis 1898 fortzuführen. Im Juli dieses Jahres aber bat er, nun 76 Jahre alt, um die Versetzung in den Ruhestand; zum 27. September wurde seine Bitte gewährt. Er hatte 50 Dienstjahre vollendet. Aus diesem Anlass wurde ihm das Ritterkreuz des Ordens der Württembergischen Krone verliehen. Schon 1885 hatte er den Friedrichsorden 1. Klasse erhalten. Die Familie, Christian Zeller mit Frau und Tochter Adelheid, zog am 21.10.1898 nach Cannstatt. Nach Antritt des Ruhestandes nahmen Zellers Kräfte zusehends ab. Es entwickelte sich ein Darmleiden, das solche Formen annahm, dass er im Mai des folgenden Jahres fast keine Nahrung mehr zu sich nehmen konnte. Aus dieser schweren Zeit wird berichtet, wie ihm eine Trostschrift von Samuel Zeller aus Beuggen Halt gegeben hat. Am 31. Mai erlag er seinen Leiden, am 2. Juni wurde er in Cannstatt auf dem Uff-Friedhof zu Grabe getragen. Die Aussegnung im Haus verrichtete der älteste Sohn Karl. Am Grab sangen Waisenkinder aus Markgröningen; es sprach Stadtpfarrer Oehler über Eph. 2,8-10: Aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben... Nachrufe sprachen der Sohn Wolfgang im Namen der Familie, Rektor Schüz, der Amtsnachfolger aus Markgröningen, und Seminaroberlehrer Stolpp für das Lehrerinnenseminar.

Ein großer Teil von uns heute Versammelten gehört zu den leiblichen Nachkommen von Christian Zeller. Die noch lebende Enkelin, unser liebe 100-jährige Liese Zeller aus Alfdorf, kann heute nicht dabei sein. Und es weht uns doch alle ein vertrauter Geist an, wenn wir durch das Städtchen Markgröningen gehen, vorbei am ehemaligen Doktorshaus, hinüber ans andere Stadtende zum ehemaligen Schloss und heutigen Seminar. Und wir spüren, wie dieses alte württembergische Städtchen auch zu den Wurzeln unserer Familie gehört.

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Anmerkungen:

(1) Magister Karl Ludwig Lebret, 1780-1837, seit 1813 Pfarrer in Mühlhausen bei Cannstatt

(2) Johann Friedrich Richter, 1794-1853, Präzeptor in Marbach seit 1832

(3) Magister Gottfried August Hauff, 1797-1871, Repetent am Tübinger Stift 1819, Pfarrer in Dachtel 1821, Professor in Schöntal 1824, Stadtpfarrer in Waldenbuch 1840; er war mit Christiane Elisabeth Zeller, einer Base von Christian, verheiratet; ZB §51

(4) Magister Franz Eberhard von Breitschwert, 1804-1858, Pfarrer in Unterregenbach 1831, Mühlhausen 1837

(5) Magister Wilhelm Friedrich Roos („Das Röslein"), 1798-1868, Pfarrer in Oßweil und Arbeitshausgeistlicher in Ludwigsburg 1825, Pfarrer in Steinenbronn 1833, Ditzingen 1849, ausgesprochener Pietist

(6) Magister Johann Valentin Strebel, aus Oberndorf bei Schweinfurt, 1801-83, Musiker und Komponist, Hofmeister/Privatlehrer beim Fürsten von Hohenlohe-Öhringen 1824, Stadtpfarrer in Forchtenberg 1830, Direktor der Erziehungsanstalt Stetten im Remstal 1835, Pfarrer in Weil im Schönbuch 1844, Direktor des Privatgymnasiums Stuttgart 1850, Pfarrer in Roßwag 1858, daneben Bezirksschulinspektor 1863

(7) Magister Karl Ludwig von Roth, 1790-1868, Präzeptor in Stuttgart 1814, Rektor am Gymnasium in Nürnberg 1821, Ephorus am Seminar Schöntal 1843, Rektor des Stuttgarter Gymnasiums 1850 und Mitglied des Studienrates, Dr. theol. 1843, Prälat Tübingen-Stuttgart 1858, verheiratet mit Elisabeth Merkel, 1799-1830, aus angesehener Nürnberger Familie.

(8) Magister Johann Wilhelm von Camerer, 1763-1847, Pfarrer in Pfeffingen a.d. Ammer 1797, bei St. Leonhard in Stuttgart 1800, Professor am Stuttgarter Gymnasium 1805, Rektor 1821, zugleich Kreisschulinspektor für den Neckarkreis, Prälat 1833, verheiratet mit Elisabeth Wilhelmine Bossert (Otto u. Wilhelm Camerer, Geschichte der Familie Camerer, Stuttgart 1903, S.37)

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