Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Andreas Heinrich Zeller (1732-1810)
Ein Pfarrer, seine Familie „ond sei Sach“

Von Reinhold Bauer, in: Die Kirche im Dorf, St. Michael in Entringen, Tübingen 2002, S. 154f.
 
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Keine Familie hat in Württemberg je so viele Pfarrer hervorgebracht wie die, welcher der 13. und der 23. protestantische Entringer Pfarrer entstammen. Andreas Heinrich Zeller (1732-1810), Sohn des damaligen Tübinger Abendpredigers und späteren Prälaten von Königsbronn Johannes Zeller, war nach seiner theologischen Ausbildung zunächst Diakon in Weilheim, von 1759-1772 Pfarrer in Jesingen/Teck. Dort wurden dem Ehepaar 6 Kinder geboren, von denen jedoch 4 das Kleinkindalter nicht überlebten.

Zwei Jahre in Entringen, verstarb seine „Eheliebstin“ Anna Eberhardina geb. Heller, 40 Jahre alt, an einer „auszehrenden Krankheit.“ In Rosine Dorothea Catharina, einer Tochter des bebenhausischen Pflegers Hamm auf Roseck, fand er eine neue Gattin, die er 1775 vor den Traualtar führte. Die Tochter Christiana Dorothea entspross dieser Ehe. Einer der Söhne, Andreas Samuel, verheiratete sich als Apotheker nach Wien, der andere, Johann Friderich, wurde 1796 durch eine „hektische Krankheit“ dahin gerafft. Im Jahr 1805 schrieb Zeller angesichts des Todes seiner zweiten Frau, die im Alter von 57 Jahren „an der Dörrund Wassersucht“ verstorben war, sein Testament. Demnach sollte, als er im Januar 1810 die Augen für immer schloss, sein Sohn aus „zerschiedenen Billigkeits-Gründen nur den Pflicht-Teil“, hingegen die Tochter aus zweiter Ehe 13 an seiner Verlassenschaft erben. Er hofft, dass der im Ausland verheiratete Sohn das Testament nicht anficht, da er es „nicht aus Abneigung gegenüber ihn“ so verfasst habe.

Zeller hinterlässt eine umfangreiche Bibliothek mit insgesamt 276 Titeln: von Luthers Hauspostill (1544) über Arndts „Wahres Christentum, Oetingers „Haus- und Sittenbuch für Gelehrte und Ungelehrte“, Hillers „Gottgeheiligte Morgenstunde“ (1748) bis hin zu den „Natur- und Ackerpredigten“ von Zerreimer (1790). Das wertvollste ist das auf zwei Gulden veranschlagte Neue Testament mit Silberbeschlägen.

Für Kleinodien und Silber-Geschmeid sind über 89 Gulden veranschlagt, für die Mannskleider 40 Gulden. Obwohl bereits in den 1780er Jahren ein großes Paket nach Wien geschickt wurde, ist es unbeschreiblich, was noch für Unmengen an Bettgewand und Tischwäsche aus den beiden Ehen des Pfarrers vorhanden sind, dazu der Hausrat aus Zinn, Kupfer - einschließlich Brennhafen! - Eisen, Blech, Porzellan und Holz, die Möbel sowie das Fass- und Bandgeschirr und die vielen Gegenstände, die in Haus und Hof gebraucht worden waren.

2 Kühe, 1 Kalb, 1 Schwein, 10 Hühner und die gesamten Vorräte an Heu, Zwiebeln, Schmalz, gedörrten Zwetschgen, Schnitzen, Most, Jesinger sowie Unterländer Wein und Zwetschgen-Branntwein - alles kommt „unter den Hammer“.

Unzählige Leute aus dem ganzen Gäu wohnten der Auktion bei, auf der die Fahrnis, alle beweglichen Dinge versteigert wurden.

Der Weinberg in der Gigeleshalde kam um 8, der Pfarrgarten an der Badgasse um 200 Gulden an die neuen Besitzer. Seine vier Wiesen beim Weiher und hinter den Höfen hatte der Pfarrer zu insgesamt 266 Gulden bereits zu Lebzeiten verkauft, die letzte gerade fünf Tage vor seinem Tod.
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