Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Auszeichnung mit Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern”

Ehepaar Zeller hat im Dritten Reich ein jüdisches Ehepaar versteckt -

In der Vertretung Israels wird es dafür posthum ausgezeichnet
(Wir übernehmen einen Bericht von Jürgen Veit in der Stuttgarter Zeitung, Samstag, 16. Februar 2008)
 
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                                  Das im Jahr 1951 aufgenommene Foto zeigt Hermann Zeller und seine Frau Elsbeth

                                                                       mit ihrer jüngsten Tochter Magdalene.

 

WAIBLINGEN/BERLIN. Der ehemalige Dekan Hermann Zeller und seine Frau Elsbeth haben im Dritten Reich ein jüdisches Ehepaar vor der Gestapo versteckt und ihm so das Leben gerettet. Am Montag werden die Zellers in der israelischen Botschaft in Berlin dafür posthum geehrt.

      Es war ein mutiger Kreis von württembergischen Pfarrern, der in den Jahren 1944 und 1945 dem jüdischen Ehepaar Ines und Max Krakauer das Leben rettete. Mehr als zwei Jahre waren die beiden auf der Flucht vor der Gestapo. Die Kirchenmänner schleusten das Paar unter dem Decknamen Ackermann - getarnt als Bombenflüchtlinge - durch die Pfarrhäuser. Darunter waren auch Hermann Zeller, seit 1939 Dekan in Waiblingen, und seine Frau Elsbeth. Sie gewährten dem Ehepaar Krakauer im Frühjahr 1944 im Dekanatsgebäude Zuflucht vor der Verfolgung der Nazis. Gegen Kriegsende wurden die beiden Juden dann von couragierten Pfarrfrauen in Korb und Stetten versteckt, um schließlich bis zu ihrer Befreiung im Waiblinger Dekanat bei dem Ehepaar Zeller unterzukommen.

      Hermann (1883-1953) und Elsbeth (1890-1978) Zeller gehörten zum Netzwerk "Sozietät der christlichen Nächstenliebe", das aus 34 bekenntnistreuen protestantischen Pfarrern in Württemberg bestand, die viele untergetauchte Juden vor dem Tod bewahrten. "Sie standen nicht am Fenster und schauten zu, sondern handelten, stellten sich schützend vor die Verfolgten und versuchten, unter Einsatz des eigenen Lebens, diese zu retten", heißt es in einer Mitteilung der israelischen Botschaft in Berlin, wo den Zellers für "ihr mitmenschliches Fühlen" am Montag posthum der Ehrentitel "Gerechte unter den Völkern" verliehen wird. Dieser ist laut der Botschaft die "höchste Auszeichnung, die Israel an Nichtjuden vergibt".

      Suse Zeller, eine der drei Töchter von Hermann und Elsbeth Zeller, nimmt am Montag mit ihren Schwestern Elisabeth und Magdalene die Medaille und die Urkunde für die Eltern aus der Hand von Ilan Mor, dem Gesandten der Botschaft, entgegen. Die Waiblingerin Suse Zeller erinnert sich noch "sehr deutlich" an die Wochen in den Jahren 1944 und 1945, in denen das Ehepaar Krakauer im Dekanatsgebäude gelebt hat. Die Eltern hätten streng geheim gehalten, dass es sich um verfolgte Juden handelt, die im Haus mit untergebracht wurden. Wohl aus Angst,. "es könnte sich eine von uns verplappern".

      Max Krakauer, der mit seiner Frau Ines von den Pfarrern versteckt wurde, hat die Geschichte der Flucht vom 29. Januar 1943 bis zum 23. April 1945 in dem Buch "Lichter im Dunkel" aufgeschrieben (Calwer Verlag, ISBN 978-3-7668-4001-1). Er erzählt, wie ihn Dekan Zeller am 10. April 1945 persönlich nach Stetten begleitete, um ihn dort mit seiner Gattin bei der Pfarrersfrau Hildegard Spieth unterzubringen, deren Mann 1940 zur Wehrmacht eingezogen worden war.

      Von den helfenden Pfarrern, die das jüdische Ehepaar versteckt hatten, sind bisher nur elf von Jad Vashem geehrt worden. "Für jeden einzelnen muss eine Initiative gestartet werden", sagt Gisela Kuck, die in der israelischen Botschaft für alles zuständig ist, was Jad Vashem betrifft. Das Ehepaar Zeller seii von einem entfernten Verwandten namens Alfred Zeller zur Ehrung vorgeschlagen worden. Suse Zeller kennt den Verwandtschaftsgrad des 1935 geborenen Alfred Zeller nicht. Gisela Kuck weiß nur, dass der Arzt bei einem Israelaufenthalt für die Aktion "Sühnezeichen" auf die mutigen Verwandten aufmerksam geworden war.

      Dass Jad Vashem nach eingehender Prüfung die Verleihung der Auszeichnung beschlossen hat, empfindet Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky als "Ehre für die ganze Stadt". Er nimmt am Montag zusammen mit Stadthistoriker Hans Schultheiß und dem Waiblinger Bundestagsabgeordneten Hartfrid Wolff (FDP) an der Feierstunde teil. Angesichts der Diskussion um die städtische Grabpflege und den Stolperstein-Vorschlag für den SS-Mann und ehemaligen Oberarzt Walter Müller (wir berichteten), sei es "wichtig, zu dokumentieren, dass in dieser Zeit auch Menschen hier lebten, die von Menschlichkeit geprägt waren", sagt Hesky.
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