Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Die Reisetagebücher Albert Zellers
- ein spannendes Stück Psychiatriegeschichte -

Gerhart Zeller, Urenkel von Albert Zeller und selbst ein psychiatriehistorisch sehr bewanderter Psychiater, veröffentlichte das Reisetagebuch seines Urgroßvaters in einem sehr schön edierten zweibändigen Werk, das leider erst nach seinem Tod erschienen ist. Es wurde im Juni 2007 bei einem Symposion im Zentrum für Psychiatrie in Winnenden vorgestellt.
 
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      In diesem Tagebuch von 1832/33 beschreibt und kommentiert Gerhart Zeller die Stationen einer Studienreise, welche Albert Zeller vor seinem Dienstantritt als Direktor der Anstalt Winnenthal durch die damals führenden Irrenanstalten in Deutschland, England, Schottland und Frankreich führte. Das Werk dokumentiert damit eine Begegnung mit der allmählich entstehenden modernen Psychiatrie Europas im 19. Jahrhundert.
      Albert Zeller hat sein Tagebuch in Deutschland deutsch, in England aber englisch, in Frankreich französisch und in kurzen Passagen lateinisch geschrieben, ein Umstand, der - verbunden mit seiner nur schwer entzifferbaren Handschrift - die Edition äußerst erschwerte (und verzögerte). Das Werk ist sicherlich eine erstrangige Quelle der Psychiatriegeschichte. An Stelle einer ausführliche Rezension hier eine Leseprobe aus Albert Zellers Bericht über das Heim der Quäker in York (England) am 10. und 11. September 1832 , das er für vorbildlich gehalten hat:

      "Viele auffallende Vorkommnisse haben sich ereignet, die die fast unbegrenzte Macht verständnisvoller Freundlichkeit deutlich machen. Zahlreiche Patienten spazieren täglich mit ihren Wärtern in die umliegende Landschaft. Einige Männer helfen im Garten und bei der Hausarbeit, und ein großer Teil der Frauen wird mit häuslichen Arbeiten, Nähen und Stricken beschäftigt. Der Leiter (governor) ist ein kluger Naturforscher (naturalist) und besitzt interessante Sammlungen von Objekten aus der Natur, die zum großen Teil von den Patienten gefunden und gesammelt wurden.
      Einige Patienten beiderlei Geschlechts unterhalten sich mit Lesen, Schreiben und anderen rationalen Beschäftigungen. Ungefähr ein Zehntel der gesamten Belegschaft besucht regelmäßig die Gottesdienste in der Stadt und fast ein Drittel versammelt sich am ersten Wochentag nachmittags, wenn der Superintendent zusammen mit den anderen Mitgliedern seiner Familie aus der Hl. Schrift vorliest. Einige Freunde aus der Stadt besuchen häufig diese Vorlesungen, und eine Störung der Ordnung durch Patienten ist äußerst selten." [ yes">     
"Was die Verbesserung in medizinischer Hinsicht in dieser Anstalt anbelangt, so verweise ich auf die folgenden Worte aus dem letzten Bericht: "Eine Geistesstörung ist wahrscheinlich in allen Fällen mit einer körperlichen Krankheit verbunden, und häufig ist sie die erste Ursache, doch ihr Ursprung ist auch in vielen Beispielen in einer mentalen Affektion (mental affection) zu suchen und es ist sicher, dass das angemessene Funktionieren des Geistes wesentlich dazu beiträgt, dass Krankheiten verhütet werden". [S. 137; dies wird dies Albert Zellers Grundüberzeugung bleiben - bis an sein Lebensende.] ...
      "Der Eindruck von Bequemlichkeit und Freundlichkeit, der nahezu jeden Teil des Gebäudes durchdringt, wird im Allgemeinen von allen Besuchern hervorgehoben. Das Fehlen von Gittern an den Fenstern, die saubere Einrichtung der Räume auch bei den ärmsten Patienten und die mäßige Höhe der Mauern in den Höfen tragen zu diesem angenehmen Eindruck bei. Das Haus hat auch den Vorteil einer erhöhten und schönen Lage, so dass die Tagesräume und Höfe einen weiten Blick in das Land gestatten." (S. 138) ...
      Ich will niemals vergessen, was ich in diesen drei Tagen in der Gesellschaft dieser ausgezeichneten Männer gesehen habe und in Erfahrung] ...
      "Was die Verbesserung in medizinischer Hinsicht in dieser Anstalt anbelangt, so verweise ich auf die folgenden Worte aus dem letzten Bericht: "Eine Geistesstörung ist wahrscheinlich in allen Fällen mit einer körperlichen Krankheit verbunden, und häufig ist sie die erste Ursache, doch ihr Ursprung ist auch in vielen Beispielen in einer mentalen Affektion (mental affection) zu suchen und es ist sicher, dass das angemessene Funktionieren des Geistes wesentlich dazu beiträgt, dass Krankheiten verhütet werden". [ yes">     
"Der Eindruck von Bequemlichkeit und Freundlichkeit, der nahezu jeden Teil des Gebäudes durchdringt, wird im Allgemeinen von allen Besuchern hervorgehoben. Das Fehlen von Gittern an den Fenstern, die saubere Einrichtung der Räume auch bei den ärmsten Patienten und die mäßige Höhe der Mauern in den Höfen tragen zu diesem angenehmen Eindruck bei. Das Haus hat auch den Vorteil einer erhöhten und schönen Lage, so dass die Tagesräume und Höfe einen weiten Blick in das Land gestatten." (S. 138) ...
      Ich will niemals vergessen, was ich in diesen drei Tagen in der Gesellschaft dieser ausgezeichneten Männer gesehen habe und in Erfahrung] ...
      "Der Eindruck von Bequemlichkeit und Freundlichkeit, der nahezu jeden Teil des Gebäudes durchdringt, wird im Allgemeinen von allen Besuchern hervorgehoben. Das Fehlen von Gittern an den Fenstern, die saubere Einrichtung der Räume auch bei den ärmsten Patienten und die mäßige Höhe der Mauern in den Höfen tragen zu diesem angenehmen Eindruck bei. Das Haus hat auch den Vorteil einer erhöhten und schönen Lage, so dass die Tagesräume und Höfe einen weiten Blick in das Land gestatten." (S. 138) ...
      Ich will niemals vergessen, was ich in diesen drei Tagen in der Gesellschaft dieser ausgezeichneten Männer gesehen habe und in Erfahrung brachte." (S. 139)
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