Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Prof. Dr. Dr. h.c. Karl  Bernhard Zeller Litt. D.h.c.
(* 19. 9. 1919 in Dettenhausen, + 7. 9. 2008 in Ludwigsburg) –  (NFD 149.1)

Nachruf seines Sohnes Christoph Zeller, in: Nachrichten des Martinszeller Verbandes 2008, S. 40-42
 
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                                    Karl Bernhard Zeller (1919-2008)                                                        Margrit Anna geb. Stolze (* 1922)

Bernhard Zeller ist als erstes von fünf Kindern der Eltern Pfarrer Wolfgang Zeller und Martha Zeller, geb. Zimmermann im Pfarrhaus in Dettenhausen geboren. Am Morgen des 7. September, knapp zwei Wochen vor seinem 89. Geburtstag,  ist er im Klinikum Ludwigsburg an den Folgen einer akuten Verschlechterung bekannter Vorerkrankungen verstorben.


Er selbst hat in den Nachrufen für seine Schwestern Ruth (1920-2007) und  Ursel (1923-2005) die Kindheit im Pfarrhaus im Schönbuch beschrieben, bevor sich der Vater im Hinblick auf die Schulbildung der Kinder nach Stuttgart-Zuffenhausen versetzen ließ. Der jüngere Bruder Erich kam noch in Dettenhausen, die jüngste Schwester Annemarie, die einzige noch Lebende der Geschwister, in Zuffenhausen zur Welt.

Die wesentliche Schulzeit absolvierte Bernhard Zeller im Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart, die er 1938 mit dem Abitur abschloss. Direkt danach folgten Arbeitsdienst und Einzug zur Wehrmacht, der er von Kriegsbeginn bis zum Ende des 2. Weltkrieges angehörte. In die wenigen Monate einer verletzungsbedingten Unterbrechung fielen die ersten Kontakte zur Tübinger Universität. Nur 8 von 23 Schülern seiner Abitursklasse – so seine Berichte – haben den 2. Weltkrieg überlebt. Der jüngere Bruder Erich ist, erst 18-jährig, am Tag vor Weihnachten 1944 gefallen. Durch Zufall kam Bernhard Zeller in der amerikanischen Zone in Gefangenschaft, aus der er nach wenigen Wochen entlassen wurde.


Der Studienbeginn in Tübingen war ein von ungeheurer Energie getragener Neuanfang. Geschichte, Deutsch, Latein und Philosophie waren seine Studienfächer. Während des Studiums lernte er Margrit Stolze kennen, im Mai 1948 wurde die Hochzeit in Lindau gefeiert. Das erste Staatsexamen absolvierte er 1950, im gleichen Jahr wurde er promoviert. Thema der historischen Dissertation war die Geschichte des Heilig-Geist-Spitals in Lindau.  Das 2. Staatsexamen folgte 1951. Nach kurzer Tätigkeit im Kultusministerium in Stuttgart unterrichtete er Deutsch, Geschichte und Latein am Gymnasium in Korntal.

Die wichtigste Entscheidung für den beruflichen Werdegang traf Bernhard Zeller 1953, als das Habilitationsstipendium für Geschichte bewilligt wurde, und er zeitgleich das Angebot der Archivarsstelle mit Aussicht auf die spätere Leitung im Schiller Nationalmuseum in Marbach erhielt. Die Wahl fiel auf Marbach, wo er am 1. 11. 1953 die Arbeit als Archivar aufnahm und wo er von 1955 bis zur Pensionierung 30 Jahre als Direktor tätig war.


Seine Lebensweg war eng mit der Entwicklung des Schillermuseums und des seit 1955 gegründeten Deutschen Literaturarchivs verbunden.
Bernhard Zellers Handschrift geht nicht nur aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen als Autor oder mehr noch als Herausgeber und Verfasser zahlreicher Aufsätze, wissenschaftlicher Beiträge und Reden hervor. Einen  umfassenden und sehr persönlichen Einblick in die Jahre seines Wirkens erhält der Leser seiner „Marbacher Memorabilien“, die erst nach seiner Pensionierung entstanden und 1995 und 2000 veröffentlicht wurden. Wesentliche Vorlage waren die akribischen – nur von ihm selbst lesbaren – Kalendernotizen. Die Geschichten seiner Begegnungen mit Funktionsträgern des Kulturbetriebes,  Familien und Nachkommen der Schriftsteller, und schließlich mit zahlreichen Autoren selbst werden durch seine Schilderungen lebendig.

Die lange Reihe der Mitgliedschaften in Kommissionen, Stiftungen, Akademien weist auf die zahlreichen Verpflichtungen hin, die er außerhalb des „eigenen Hauses“ eingegangen ist, letztlich auch um dadurch den Standort Marbach für die Literatur zu festigen.

Ein immer wieder von ihm selbst erwähnter Schwerpunkt seiner Intentionen war, das Vertrauen der ins Exil getriebenen Autoren und deren Erben für das Literaturarchiv zu gewinnen und so Marbach zum geeigneten Ort für die Bewahrung und Erschließung der für die deutsche Literatur und Geschichte bedeutenden Nachlässe und Dokumente zu machen. Wie gut ihm dies gelungen ist, belegt nicht nur die lange Liste der Erwerbungen, sondern auch die zunehmende Zahl internationaler Wissenschaftler, die  zu Forschungszwecken nach Marbach gekommen sind.

Die knappe Aufzählung kann die Lebensleistung von Bernhard Zeller nur andeuten. In vielen Ehrungen zu Lebzeiten und in den Nachrufen der regionalen und überregionalen Zeitungen sind sein unermüdliches Engagement gewürdigt worden, so dass zu den Einzelheiten und Begebenheiten darauf verwiesen werden darf.

Auch nach der Pensionierung hat er bis zuletzt alle Entwicklungen des Literaturarchivs mit großem Interesse verfolgt. Die Mitgliedschaft und Mitarbeit in Kommissionen und Akademien nahm er bis zuletzt wahr, auch wenn das Nachlassen der physischen Belastbarkeit das Ausmaß der Aktivitäten zunehmend begrenzte.


Die private, familiäre Seite seiner Person war kaum vom beruflichen Dasein getrennt. Aus dem Arbeitsumfeld Vertraute zählten vielfach zum Freundeskreis, die Familie  war zumindest in den aktiven Jahren in den Alltag des Museums und Archivs mit einbezogen. Die Abstriche andererseits, die sich durch das große Engagement ergaben, waren für die Familie eine nicht so selten beklagte „mangelnde Präsenz“, auch bei physischer Anwesenheit. Die Beteiligung an der Gestaltung der Familienfeste war ihm aber immer wichtig, seine zahlreichen Reden und Gedichte waren fester Bestandteil.  Wenn er in der Familie Bedauern äußerte - was selten vorkam -  dann, dass er zuwenig Zeit für Musik, auch zum Klavierspielen habe. Konzerte gehörten zu den beliebtesten Veranstaltungen, die er besuchte.


Seine letzte Ruhe fand Bernhard Zeller  auf dem Marbacher Friedhof. Nahe dem Grab geht der Blick am Turm der Alexanderkirche vorbei über die Stadt bis zur Kuppel des Schillermuseums, wo seine  Marbacher Zeit vor mehr als 50 Jahren begann.
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