Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Antonie Zeller geb. Werner
(1879-1971)

Aus: Sonderveröffentlichungen des Martinszeller Verbandes Nr. 1, 1979, S. 1-43

 
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                   Toni Werner (12. 1. 1879 - 24. 9. 1971)                                       Johannes Zeller (4. 1. 1877 -  30. 6. 1964)

Als wir den Gedanken fassten, zum hundertsten Geburtstag unserer Mutter Toni Zeller Verwandte und Befreundete, die wir noch mit ihr verbunden wussten, zu einem Gedenken hierher an die Leonberger Burghalde einzuladen, da fühlte ich zuvörderst für mich die Aufgabe, die ich längst hätte übernehmen sollen, die große schriftliche Hinterlassenschaft der Mutter hervorzuholen, zu überblicken und durchzugehen. Ich fand neben Wohlbekanntem viel Neues und Bewegendes für mich und bekam den Eindruck, dass wir zu ihrem Gedenken an einem Tag wie heute am besten ihre eigenen Worte wieder hören und ihren Darstellungen folgen. Nicht dass sie dabei von sich und gar zu ihrem Lob und Ruhm redete, wozu sie gewiss kein Talent besaß. Aber wie sie Menschen auffasst und ihnen begegnet, wie sie den Zauber wahrnimmt, der im Einfachsten sein kann und das Leben schön macht, welchen Ausdruck in der Sprache sie findet, das ist ihr ganz eigen und bezeichnet sie als den ursprungsechten, aller Befreundung offenen und zum Glück der anderen wirkenden Menschen, als den sie so viele geliebt haben. Ich habe, was ich vorbringen möchte, in fünf unter sich verschiedene, aber von einander unabhängige Teile gegliedert, und ich schlage vor, dass wir Pausen machen und je nach der Zeit und der Lust, die uns bleibt, uns so viel davon nehmen, wie wir mögen.

Zu Anfang – Teil 1 – als Überblick der Werdens- und Lebensgang der Toni Werner - Toni Zeller, gleichsam als Legende erzählt.

Als Teil 2 folgt ein farbigeres Konterfei der Markgröninger Zeit als Blick auf Herkunft, Elternhaus, Jugendumwelt, Jugendschicksale bis zur Verheiratung. Diese Schilderung schließt sich an die vielen und mannigfach abgewandelten Schilderungen der Toni selbst an. Dass ich mich dabei gern etwas verweile, kommt nicht allein aus Vorliebe fürs kulturhistorische Idyll, sondern auch aus meinem Glauben, dass in der Toni Zeller Leben das, was ich den Jugendtraum ihrer Herkunftsjahre nennen will, eine so bestimmende Bedeutung gehabt hat wie wohl bei wenigen von uns.

Dann als Teil 3 eine Sammlung von Briefstellen. Sie stammen aus der Spaichinger Zeit, sind also zumeist während des Ersten Weltkrieges geschrieben an die Mutter Emma Werner (und die Schwester Adelheid Meuret). Die Briefe fanden sich als ganzer Bestand aufbewahrt. Ich bringe daraus, weniger nach Plan, mehr nach Lust, wie ich sie im Vorübergehen herausnahm, einige Stellen, in denen man, auch wenn sie um nichts Weltbewegendes gehen, sprachlich und menschlich den eigensten Ausdruck der Schreiberin finden kann. Als Zwischenakt sind dann einige Stücke angefügt aus einer Niederschrift, die von ihr für Walter Meuret gemacht wurde, betitelt „Markgröninger Originale“. Nicht der mythischen Besatzung des Marktes Gröningen wollen wir heute damit begegnen, sondern ihr, die davon Kunde schreibt.

Als Teil 4 folgen Themen und Charakteristiken aus der Ahnen- und Familiengeschichte, mit denen sich die Toni Zeller-Werner in verschiedenen Aufschrieben befasst hat. Durch ihre Sonderstellung zwischen den Generationen und ihren stark gefühlten Rückbezug zu den Ahnen war sie vielleicht besonders zu solcher Vergegenwärtigung geschaffen. Einzelnes ist in ihrem Wortlaut gegeben. Das andere ist von mir nach der mütterlichen Vorlage mitgeteilt, gerafft und verdichtet.

Es bleiben mir zuletzt in einem Teil 5, den ich bei großer Gunst meiner langmütigen Zuhörer zu erreichen oder sonst später nachzubringen hoffe, einige Ergänzungen für die zweite Lebenshälfte und die späteste Lebenszeit der Mutter Toni und der vorsichtige Versuch, Anfang und Ende zusammenzuführen und - gleichsam im Bilde - uns Lebenden zum Nachsinnen, vom „Ertrag“ eines so an Liebe reichen, durch viel Glück und viel Leid geführten Lebens zu reden.

***

Die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstags unserer Mutter gab uns den Anlass, zu einem Gedenken an sie einzuladen. Ein großer Verwandtenkreis und Freunde unserer Familie feierten mit uns am 6. Januar 1979 im Haus an der Burghalde in Leonberg.

Wer Toni Zeller kannte, wird sich durch ihre Briefstellen und Schilderungen, die Eberhard Zeller vortrug, gern an sie erinnern lassen. Seine Darstellung hat versucht, das menschliche Bild erlebter Gegenwart dankbar nachzuzeichnen. Sie begriff zugleich die Zusammenhänge der Zeit mit ein und wird vielleicht auch in einem kulturgeschichtlichen Sinn von manchem mit Interesse aufgenommen werden.

                           Werner Zeller                                         Eberhard Zeller

                             Leonberg                                               Friedrichshafen

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