Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Schloss Beuggen
Aus seiner langen Geschichte

Von Anna-Maria Bossenmaier in: Nachrichten des Martinszeller Verbandes 1986 Nr. 11, S. 11-18
 
Bild
 

Schloss Beuggen, einst über Jahrhunderte Burg des Deutschritterordens, wurde im 19. Jahrhundert nach vielen, oft tief einschneidenden Wechselschicksalen Sitz einer bedeutenden Anstalt zur Ausbildung christlicher Lehrer und zur Erziehung verwahrloster Kinder in der Obhut der Basler Mission. Die an der Anstalt tätigen Pädagogen waren bis in die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg in ununterbrochener Generationenfolge Angehörige der Zeller-Familie, siehe dazu die untenstehende Tafel. Der letzte in der Reihe, Eugen Zeller, und sein Neffe, Konrad Zeller, haben sich auch literarisch mit der Geschichte Beuggens beschäftigt. Zum Zeller-Familientag 1986 in Beuggen sei hier auf Grund dieser Quellen ein Einblick in die geschichtlichen Ereignisse und Zusammenhänge bis zur heutigen Evangelischen Tagungs- und Begegnungsstätte auf Schloss Beuggen gegeben.

Die Zeit der Deutschordensritter (1246-1815)

Zwanzig Kilometer oberhalb Basel liegt am rechten Rheinufer wie ein Traum aus vergangener Zeit das ehemalige Deutschordensschloss Beuggen. Es ist eine imposante Anlage. Im Halbkreis - ursprünglich von einem Wassergraben umzogen - rahmt die Reihe der Ökonomiegebäude den Hauptbau ein, dessen Fundamente auf das Jahr 1246 zurückgehen. Ein Adelsitz in unmittelbarer Nähe ist jedoch schon länger nachweisbar. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts stand auf einem Hügel unweit des Dörfchens Riedmatt eine kleine, jetzt längst spurlos verschwundene Burg „Buckeln“ genannt. Der Name stammt möglicherweise von einem scharfen Bogen oder „Blick“, den der Rhein in unmittelbarer Nähe macht. Drunten im Tal lag ein Dörfchen gleichen Namens, überragt von seinem, dem heiligen Michael geweihten Kirchlein. Näher dem Strome zu lag der zu der Burg gehörende Fronhof. Der letzte Besitzer war ein kaiserlicher Burgvogt Ulrich von Liebenberg. Ritter Ulrich fasste den Entschluss, die Burg Buckeln mit dem Fronhof und allen den dazu gehörenden Ländereien und Rechten dem Deutschritterorden zur Errichtung eines Ordenshauses zu übergeben. Im Mai 1246 wurde die Schenkung feierlich vollzogen. Benachbarte Adelige folgten dem Beispiel des Ritters von Liebenberg und schenkten dem Orden ihre in und um Buckein gelegenen Grundstücke, so dass im Laufe weniger Jahre ein ausgedehnter Güterbesitz entstand. Eine Urkunde aus dem Jahr 1247 nennt schon 9-Ordensbrüder. Der Deutsche Orden ist 1190 bei der Belagerung von Akkon in Palästina gegründet worden, wie die älteren Orden der Templer und Johanniter als Hospital- und Pflegeorden. Das Zeichen der Deutschordensritter war der weiße Mantel mit schwarzem Kreuz. Im Morgenland selbst konnte sich der Deutschorden nicht mehr richtig einwurzeln, da die Zeit der Erfolge bereits vorüber war.

Ab 1200 wurden auch in Deutschland Ordenshäuser gegründet, die das Interesse für den Krieg im heiligen Land unter dem Adel wach halten und heilige Streiter ausbilden sollten. Seine eigentliche Aufgabe fand der Orden aber im Kampf gegen die Preußen. Zwischen 1231 und 1283 wird das Ordensland zwischen Memel und Weichsel erobert, Lievland und Kurland folgen um die Jahrhundertwende.

Mitten in diese Zeit des Kampfes fällt die Gründung des Deutschordenshauses in Beuggen 1246. Es gehörte zu dem Ordensbesitz (der Ballei) Elsaß und Burgund. Bald entstanden auch Ordenssitze in Basel, Hitzkirch im Aargau, Freiburg im Breisgau, Altshausen in Württemberg und Mainau, sowie Waldstetten in Bayern.

Jedes Ordensschloss unterstand einem Komtur, dieser dem Landkomtur, der die Aufsicht über die Ordenshäuser seiner Provinz (Ballei) hatte. Die Landkomture waren für ihre Amtstätigkeit dem Deutschmeister, der in Mergentheim residierte, verantwortlich. Über den Meistern der Länder stand der Hochmeister, der an Macht und Ansehen manchen Kirchenfürsten überragte.

Im Ordenssitz Beuggen wurde zwei Jahre nach der Gründung 1248 Gottfried von Ruffach, bisher Komtur von Hitzkirch, zum ersten Vorsteher ernannt. Die jetzt entstehende Ordensburg bestand aus einem Kastell von rechteckigem Grundriss, umgeben von einem gewaltigen Hof, in dem noch einzelne Ökonomiegebäude gestanden haben. Um den Hof lief eine hohe Mauer mit einem Tor nach Rheinfelden im Westen und einem Tor nach Norden. 1286 wurde die neue Ordensburg eingeweiht. Kranken- und Armenpflege war für den Orden eine besonders verdienstvolle Aufgabe. 1284 wurde in einem in unmittelbarer Nähe des Konvents gelegenen Haus eine eigene Pflegeanstalt (Firmarie) gegründet. Altersschwache Ordensbrüder auch anderer Häuser der Ballei verbrachten hier ihre letzten Lebensjahre.

Bei seinem 50jährigen Bestehen war das Konventshaus zu einem hervorragenden Ordenssitz und zur Residenz der Ballei Elsaß und Burgund herangewachsen. Zehn stattliche Höfe und mehr als 30 Ortschaften waren dem Konventshaus zinspflichtig. Der Krieg zur Befreiung des heiligen Landes und gegen die heidnischen Preußen kostete viel Geld. Dabei waren auch Rückschläge und Seuchen zu verkraften. Trotz vielfältiger Belastungen konnte das Schloss aber weiter ausgebaut werden; es gab eine Bibliothek und ein kleines Priesterseminar, sowie einen der Repräsentation dienenden Neubau. Um 1420 entschloss sich der Komtur Andreas von Mörsperg, die beiden Toreingänge durch Türme befestigen zu lassen. Aus dieser Zeit stammt auch der große Turm am Rhein mit dem Storchennest und das Torhaus.

In den kriegerischen Wirren des 15. Jahrhunderts wurde dem Ordenshaus Beuggen übel mitgespielt. Misswirtschaft und Verschwendungssucht waren am Niedergang mitschuldig, bis die Anlage im Bauernkrieg vollständig ausgeplündert worden ist.

Nach Übernahme der Kommende begann der Komtur Georg von Andlau (1526 bis 1540) sofort mit umfassenden Befestigungsarbeiten. Um die Mauer ließ er einen 16 m breiten und 7 m tiefen Graben herstellen, der mit Wasser gefüllt den ganzen Schlosshof im Halbkreis umgab und nach außen abschloss. Ebenso erbaute er innerhalb der Mauern eine riesige Scheuer für Vorräte. Neue größere Tore wurden gesetzt. Mitten in ein zugemauertes Tor ließ der Komtur sein Wappen setzen, das jetzt noch nach 400 Jahren gut erhalten zu sehen ist.

Mit dem 30jährigen Krieg (1618-1648) brach für den Deutschorden eine Periode außerordentlicher Anstrengungen und schwerer Leiden an. Die zur Reformation übergetretenen Landesteile sollten wieder in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückgeführt, oder etwa Preußen, das der letzte Hochmeister Albrecht von Brandenburg schon 1525 nach einem Bekenntnis zur Reformation als polnisches Lehen in ein weltliches Herzogtum verwandelt hatte, wiedergewonnen werden.

Mit dem Einfall der Schweden nach Süddeutschland wurde Beuggen erstmals direkt vom Krieg betroffen. Der amtierende Komtur Schenk zu Kastell (1630-1650) flüchtete mit den wichtigsten Archivstücken und einigem Hausrat auf den Hof Iberg. Beuggen wechselte mehrmals die Besitzer. Im Frühjahr 1634 diente es dem Rheingrafen Johann Philipp als Hauptquartier bei der 22 Wochen andauernden Belagerung der Kaiserlichen in der Stadt Rheinfelden. Bald nach dem Abzug der Kaiserlichen von Rheinfelden verließen auch die Schweden Beuggen, fielen aber wenige Jahre später wieder ein. Das Ordenshaus Beuggen und viele umliegende Ortschaften wurden vollständig ausgeraubt.

Auch der Westfälische Frieden 1648 brachte kein Ende der Leiden. Die Kriege Ludwigs XIV. gegen das Reich brachten den Ordenshäusern kaum erschwingliche Kriegssteuern. Erst der Frieden von Rastatt 1714 setzte dem Elend ein Ende. An den damals in Beuggen regierenden Komtur Johann Franz von Reinach (1688-1718) erinnert das steinerne Gartenhaus, das er im Schlosspark direkt am Rhein erbauen ließ. Die Tafel über der Eingangstür trägt sein Wappen. 1721 wurde Baron Karl Konrad von Pfirt zum Komtur von Beuggen ernannt. Er war der letzte Ritter, der den Ritterschlag in Beuggen erhalten hat. Mit seinem Nachfolger Freiherr Franz Karl von Schönau (1736-1746) kam 1739 der Vertrag zustande, durch den das Ordenshaus sich die mittlere und die hohe Gerichtspflege über seine Untertanen erwarb. In der Folgezeit bekam das einst schlichte Ordenshaus mit dem Neugestalten des Schlossparks ein fürstliches Aussehen.

Durch den Frieden von Luneville 1801 verlor der Orden mit einem Schlag alle auf dem linken Rheinufer gelegenen Komtureien. Von den 12 Komtureien der Ballei blieben nur Altshausen, Mainau, Freiburg und Beuggen übrig.

Kurze Zeit später hob der Preßburger Frieden 1805 die Deutschordenshäuser in Baden und Württemberg auf. Sie wurden zum Staatseigentum erklärt. Balleirat Streicher, der bisherige Verwalter, war jetzt Domänenverwaltet. In Beuggen stand das Ritterhaus mit seinen einst so prächtigen Räumen verödet und ausgestorben da. Im Winter 1814 (Befreiungskriege) wurde das leerstehende Ordenshaus Lazarett. An eine richtige Krankenpflege war jedoch kaum zu denken. Schrecklich wüteten Typhus, Pocken und andere Seuchen. Etwa 300 deutsche und 3000 österreichische Krieger sollen damals in Beuggen gestorben und begraben worden sein. Ein 1911 errichtetes Denkmal erinnert daran.

Mit Beendigung des Freiheitskampfes 1815 kehrte wieder Totenstille in die weiten Räume des einstigen Ordenshauses ein. Modergeruch erfüllte das Haus. Niemand war es in den Sinn gekommen, das Schloss wieder in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Alle Zimmer waren mit Unrat, Blut, verfaultem Stroh in desolatem Zustand. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde gestohlen. Das einst so stolze Haus schien dem endgültigen Verfall preisgegeben.

Erziehungsanstalt Beuggen (1820-1938)

Am 25. Oktober 1819 schritten zwei Männer durch die verödeten Räume. Der eine war Carl Friedrich Spittler, dem ein Hauptteil an der Missionsanstaltsgründung in Basel zukam und ohne dessen Mitwirkung in den folgenden Jahrzehnten kaum ein christliches Werk in Basel entstanden ist. Der andere war Christian Heinrich Zeller, der Sohn des württembergischen Hofrates Christian David Zeller in Ludwigsburg. In Gehorsam gegen seinen Vater studierte er Rechtswissenschaft. Bald nach dem bestandenen Examen nahm er die Stelle eines Erziehers an, da ihm die advokatische Praxis nicht zusagte. Zwei Jahre später kam er nach St. Gallen. Von hier aus besuchte er Pestalozzi in Burgdorf und war von Stund an ein begeisterter Verehrer von ihm. Nach sechsjährigem Aufenthalt folgte er 1809 einem Ruf als Schuldirektor nach Zofingen. Am 7. Oktober 1811 vermählte er sich mit Sophie Siegfried, einer Lehrerin. Kurz vorher hatte er das Schweizer Bürgerrecht erworben, indem er sich in der Gemeinde Retterswil bei Seon am Hallwilersee einkaufte. Mit C. F. Spittler verband ihn der Gedanke, dass Mission und Sozialfürsorge im inneren nicht weniger dringend sei als nach außen. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für eine dafür zu gründende Anstalt waren sie auf das leerstehende Schloss Beuggen in der Nähe von Basel gekommen. Einem doppelten Zweck sollte die Anstalt dienen: der Ausbildung christlicher Lehrer, dann aber auch gleich der Rettung und Erziehung verwahrloster Kinder. Weite Kreise in Basel wurden für diesen Plan interessiert und nach längerer Suche fand man Beuggen für einen geeigneten Anfang. Großherzog Ludwig von Baden erklärte sich bereit, ihnen das Deutschordenshaus gegen einen jährlichen Pachtzins zu überlassen.

„Heinrich, da möchte ich nicht begraben sein!“, sagte Zellers Frau als sie das erste Mal das völlig verkommene Haus sah. Den Winter 1819-1820 verbrachte man mit Reinigungsarbeiten und Instandsetzung. In einem Ofenloch entdeckte man noch ein Skelett, ein anderes in einem Schrank. Typhuskranke hatten sich im Delirium darin verkrochen und unbeobachtet das Ende ihrer Leiden gefunden.

Am 17. April 1820 hielt der neue Inspektor mit seiner Familie Einzug. Bald danach kamen die ersten Schullehrerzöglinge. Am 22. April 1820 fand die feierliche Einweihung des Hauses statt.

Von unserer heutigen Lehrerausbildung war dieses Werk in wesentlichen Punkten verschieden. Hier wurden nicht junge Leute ausgebildet, die dann wie andere in den Dienst des Staates zu treten gedachten. Wer hierher kam, verstand sich als Missionar. Sein Ziel war nicht eine einkömmliche Existenz, sondern Dienst am Nächsten und das Ausrichten der göttlichen Botschaft. Die Lehrerausbildung gab ihnen Beuggen, den Verdienstberuf mussten sie mitbringen. Um diese Berufung nicht zum Beruf werden zu lassen, wurden nur junge Leute aufgenommen, die bereits einen Beruf hatten, auf den sie dann im Notfall zurückgreifen konnten. Das andere Ziel das sich C. H. Zeller gesteckt hatte, war die Erziehung und Versorgung armer Kinder. Pestalozzi hatte sein ganzes Leben darum gerungen. Am 21. 7. 1826 kam er zu einem Besuch nach Beuggen. „Das ist, was ich wollte!“ soll er öfters gesagt haben.

Das Rettungshaus Beuggen hat eine ganze Rettungshausbewegung ausgelöst. Im Kanton Schaffhausen gründete Antistes Spleiss die Anstalt Buch. Zürich, St. Gallen, Basel haben ähnliche Werke entstehen lassen. In Deutschland bestanden schon früher einige Armenanstalten. Aber eine ganze Reihe neuer wurden nach dem Muster Beuggens eingerichtet. In Württemberg waren es 27. Auch das Seminar hat Nachahmung gefunden. Allerdings weniger häufig, denn unterdessen hatte sich der Staat aus politischen Gründen der Lehrerausbildung angenommen.

Vier Generationen Zeller in Beuggen:

Christian Heinrich Zeller (1779-1860) (ZB 427)
Jurist, Pädagoge; in Beuggen: Inspektor 1820 bis 1860


Nathanael Zeller
(1823-1890)
Lehrer und Ökonomie-verwalter in Beuggen 1852 bis 1890
(ZB 427.7)


 

Reinhard Zeller (1826-1891) Theologe; Inspektor in Beuggen 1860 bis 1891
(ZB 433)


 

Eugen Zeller (1864-1941)
Theologe;: Inspektor in Beuggen 1891 bis 1937 (mit Unterbrechung) (ZB 433.2)


Heinrich Paul Zeller (1866-1940), : Lehrer und Ökonomieverwalter in Beuggen 1890 bis 1938 (ZB 436)

 

 

Konrad Zeller (1897-1978)
Theologe; Seminardirektor in Zürich
(ZB 438)




Am 27. Juli 1858 verlor C. H. Zeller und seine elf Kinder (7 Töchter und 4 Söhne) die treue Gattin und Mutter. Sein Sohn Reinhard übernahm zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth geb. Bohn aus Mühlhausen die Leitung der Anstalt. Sein Bruder Nathan versah die Stelle eines Lehrers und Ökonomieverwalters. Er ging auf den Wegen seines Vaters weiter in einer Zeit, die sich wesentlich geändert hatte. Er hielt an den alten Idealen des Rettungshauses und der Armenschullehreranstalt fest, obwohl diese Ideale auch in christlichen Kreisen immer fremder wurden.

Auf Reinhard Zeller folgte am 12. November 1891 sein ältester Sohn Eugen, der nahezu 40 Jahre, mit einer kurzen Unterbrechung, die Anstalt geleitet hat. Treu stand ihm sein Bruder Heinrich zur Seite, der die Stelle eines Lehrers und Ökonomieverwalters versah.


In allen diesen Jahren war Beuggen eine überwiegend schweizerische Institution. Ein Basler Komitee war Eigentümer von Land und Gebäuden. Der weitaus größere Teil der Kinder kam aus der Schweiz und auch das Seminar war vorwiegend von Schweizern besucht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Lehrerausbildung nicht mehr aufgenommen.

Das nationalsozialistische Regime erschwerte die schweizerische Führung der Anstalt immer mehr. Es wurde deshalb neben dem schweizerischen auch ein deutsches Komitee gebildet, das die Anstalt gleichsam leihweise zur Führung übernahm. Die Nachfolge von Eugen und Heinrich Zeller wurde einem badischen Religionslehrer F. Kraft übertragen. Er hat mit seiner klaren christlichen Haltung dem Nationalsozialismus gegenüber keinen leichten Stand gehabt. Die Partei hätte die alte Ordensburg nur allzu gern für ihre Zwecke verwendet. Aber die Tatsache, dass sie sich in schweizerischem Eigentum befand, und der bestimmte Widerstand des Anstaltsleiters haben diese Pläne vereitelt. So konnte die Anstalt im alten Stil weitergeführt werden, ohne dass es zu behördlichen Eingriffen gekommen wäre.

Doch auch die „Armenanstalt“ reüssierte nicht mehr. Die Zeit der staatlichen Sozialhilfe und Schulbildung war darüber hinweggegangen. Der Versuch, ein normales Internat zu werden, scheiterte an der mangelnden Akzeptanz und den damit nicht mehr tragbaren Kosten für eine notwendige bauliche Modernisierung.

1981 übergab der Verein „Freunde des Kinderheims Beuggen“ das Heim der Evang. Landeskirche in Baden. Am 13. Mai 1983 wird von der Mitgliederversammlung der Kirchenbezirke Freiburg, Müllheim, Lörrach, Schopfheim und Hochrhein der Verein „Evang. Tagungs- und Begegnungsstätte“ gegründet. Am 1. Oktober 1983 beginnt die erste Phase der Nutzung mit dem Ziel eines kontinuierlichen Aufbaus einer Tagungsstätte und am 8. Februar 1985 wird offiziell eröffnet. Sie steht unter dem Motto der Deutschordensritter mit dem jeder Tag begann: „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“
                                                                                *

Eine kleine Geschichte am Rande des Familientages in Beuggen:
Das Nest auf dem Storchenturm in Beuggen ist wieder von einem Storchenpaar bewohnt. Zwar finden die Vögel an den begradigten Ufern des Rheins nicht genügend Nahrung, aber ein Tierliebhaber auf schweizerischem Gebiet füttert sie, und zwar so regelmäßig, dass sie im Winter nicht mehr die beschwerliche Reise nach Afrika unternehmen, sondern täglich ins Nachbardorf zum Essenfassen fliegen. Wir fragten, warum man. sie nicht auf ihrem Nest sitzen sehen könne und bekamen zur Antwort: „Jetzt sind sie gerade zu Kaffee und Kuchen geflogen“.

Literatur:
- J. Klientschi und Eugen Zeller, Das Deutschordenshaus Beuggen einst und jetzt - 1246-1894, Basel 1894.
- Eugen Zeller, Aus 7 Jahrhunderten der Geschichte Beuggens - 1246-1920, Wernigerode, 3. Aufl. 1923.
- Konrad Zeller, Beuggen. Zürich 1946, Reformierte Schweiz Heft 6.


 

(c) 2006, Martinszeller Verband, Germany, Alle Rechte vorbehalten. Drucken Nach oben