Familie Zeller aus Martinszell  
 
Mittwoch, 27.03.2019

Die Schlacht von Lauffen 1534
- Württemberg wird evangelisch -

Vortrag von Gerhard Zeller (157.3) auf dem Familientag in Lauffen am 20. Sept. 1997, in: Nachrichten des Martinszeller Verbands, Nr. 26, 1997, S. 7-16.
(Zusammenfassung einer Darstellung von Ludwig Friedrich Heyd (1834) zum 300jährigen Gedenktag der Schlacht, wiedergegeben im Heimatbuch der Stadt Lauffen 1984)
 
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„Man hat die Ereignisse bei Lauffen und Kirchheim mit einer Schlacht verglichen - das waren sie nicht; ... aber mehr als mancher gewaltige Kampf haben sie entscheidende Erfolge gehabt.“ Mit diesen Worten charakterisierte der Heidelberger Universitätsbibliothekar Dr. Jacob Wille 1882 diese Begebenheit. Was geschah? Württemberg wurde evangelisch. In den nachfolgenden 4 Jahrhunderten hat das landesherrliche Kirchenregiment den Charakter Württembergs und seiner Bewohner geprägt. Vom rein militärischen Standpunkt aus gesehen war die Schlacht von Lauffen - manche nennen sie bescheidener: die Gefechte von Nordheim und Lauffen - und der Sieg Ulrichs eher ein unbedeutendes Ereignis, sie hat aber für die folgende Entwicklung den Grund gelegt und war deshalb ein eminent politisches Ereignis.

Ich habe nicht vor, einen Bericht über die Reformation in Württemberg zu geben, sondern beschränke mich - da wir in Lauffen zusammengekommen sind - auf die Ereignisse, die hier in der Himmelfahrtswoche des Jahres 1534, vor 470 Jahren, stattgefunden haben. (Ich beziehe mich dabei auf die Darstellung.)

Herzog Ulrich
Graf Eberhard im Bart adoptierte den auf den Namen „Heinz“ getauften Erbprinzen. Er erhielt in der Firmung den Namen „Ulrich“, womit man wohl den Schatten seines geisteskranken Vaters bannen wollte. Mit 16 Jahren wurde er für volljährig erklärt. Er begann sein Regiment mit einem glänzenden militärischen Erfolg im bayerischen Erbfolgekrieg gegen den Pfalzgrafen Ruprecht 1504, was ihn in der Besitz der Grafschaft Löwenstein, Stadt und Herrschaft Weinsberg, Neuenstadt, Möckmühl, Gochsheim und Heidenheim setzte. Für Lauffen bedeutete dies, dass nun auch nördlich davon württembergisches Land lag.

Dann aber machte sich der junge Herrscher rasch Feinde in allen Lagern. Der unmäßige Aufwand bei seiner Hochzeit 1511 erregte Anstoß, die wachsenden Schulden, die er mit einer Steuer auf Fleisch, Wein und Früchte - gewissermaßen einer Steuer auf Luxusgüter - abdecken wollte, die schlechte Behandlung seiner Frau, Sabina von Bayern und die Ermordung seines Freundes Hans von Hutten (1515) führten dazu, dass ihn Kaiser Maximilian 1516 in die Acht erklärte. Der Überfall auf die Reichstadt Reutlingen 1519 brach ihm dann politisch gesehen vollends den Hals. Der Schwäbische Bund vertrieb ihn und verkaufte das Herzogtum Württemberg an Kaiser Karl V., der 1522 seinen Bruder, den Erzherzog Ferdinand als Statthalter einsetzte.

Ulrich floh ins Exil nach Mömpelgard. Bei Aufenthalten in Basel und Zürich und Begegnungen mit Ökolampad und Zwingli schloss er sich der evangelischen Sache an. Durch Ökolampad hatte er den späteren Genfer Reformator Farel als evangelischen Prediger nach Mömpelgard bekommen. Gebessert hat er sich dennoch keineswegs. Er blieb eigenwillig, hochfahrend, gewissenlos, in seinen Reaktionen an der Grenze zur Geisteskrankheit. Zwingli blieb ihm gegenüber skeptisch, er schreibt, dass er einen heftigen Widerwillen gegen den Mann gehabt habe, aber wenn aus dem Saulus ein Paulus geworden sei, sei er bereit, mit ihm zu verhandeln. Immerhin könne eine Wiedereinsetzung Ulrichs der christlichen Sache sehr von Nutzen sein, mindestens sei es besser, ihn zum Nachbarn zu haben, als die Österreicher. Dass Ulrich sich später dann trotzdem bis zu seinem Tode 1550 an der Regierung gehalten hat, war dem Glück zu verdanken, dass er immer wieder gute Berater fand. Das frühere Urteil über ihn, das seine ersten Verbrechen als Jugendsünden der Sturm- und Drangperiode entschuldigte und ihm nachher die Läuterung in der Verbannung bescheinigte, ist wohl nicht zu halten. Der Stich von seinem Sieg bei Lauffen, den Ihr als Kopie bekommen habt, stellt ihn als edlen Retter Württembergs dar. Die Lauffener feiern nach wie vor jährlich ihr „Ulrichsfest“ und Professor Decker-Hauff hat hier einiges Stirnrunzeln hervorgerufen, als er 1984 bei einem Festvortrag in der Lauffener Stadthalle Ulrich schlicht als einen „Kriminellen auf dem Thron“ charakterisierte.

In Württemberg wuchs der Widerstand gegen die österreichische Fremdherrschaft. Bei einem Besuch des Erzherzogs Ferdinand in Stuttgart musste er erleben, dass drei Wappenschilder, die er an der Tür der Stiftskirche hatte anbringen lassen - sein eigenes, das des Papstes und des ihn begleitenden Kardinals Campeggi -, mit Kuhmist beschmiert und eine Spottschrift darunter angeheftet war. Umgekehrt hatte die Abneigung gegen die Österreicher eine wachsende Anhänglichkeit an den vertriebenen Herzog Ulrich zur Folge. Man erzählte sich, dass ihn „die Schweizer das Beten gelehrt“ hätten; während des Bauernkriegs, dass er - sei er wieder an der Herrschaft - die Leibeigenschaft und alle Dienstbarkeiten abschaffen werde. Die Österreicher mussten unter Strafe stellen, dass Herzog Ulrich im Guten genannt wurde. Man versteht, dass die Legende vom „guten“ Herzog nun gerade umso mehr Anhänger fand, je mehr man sie unterdrückte.

Ein Versuch Ulrichs, während der Bauerunruhen das Land zurückzugewinnen scheiterte. Er kam auf den Hohentwiel, nahm im Februar 1525 mit Leonberger Unterstüzung Herrenberg ein und kam bis nach Stuttgart. Dann aber wurden die Schweizer Soldaten abberufen und Ulrichs Unternehmen brach zusammen.

1527 verlegte Ulrich seinen Aufenthalt nach Hessen (Kassel). Dort erlebte er auch das Marburger Religionsgespräch mit. Sein Vetter, der Landgraf Philipp von Hessen setzte sich dann 1534 an die Spitze eines Expeditionskorps, das Ulrich in Württemberg wieder an die Macht bringen sollte. Er bereitete das Unternehmen diplomatisch klug vor, sicherte sich nach allen Seiten ab und scheute sich auch nicht, vom Erzfeind der Habsburger, Frankreich, Gelder anzunehmen. Die Zeit drängte, da man davon gehört hatte, dass es von Seiten der bayerischen Herzöge Pläne gab, den im Land verbliebenen jungen Prinzen Christoph (der spätere Herzog Christoph) an die Macht zu bringen. Der war ja über seine Mutter Sabina ein Neffe des bayerischen Herzogs. Damit wäre Württemberg endgültig katholisch geblieben.

Der Feldzug
Im April 1534 besprach Philipp von Hessen seinen Plan mit dem Kurfürsten von Sachsen zu Weimar in Gegenwart Luthers und Melanchthons. Luther riet von diesem Bruch des gemeinen Landfriedens heftig ab, aber das politische Kalkül siegte, Philipp war bereits fest entschlossen. Unmittelbar darauf, am 23. April 1534, rückte das Heer in Kassel ab. Das Heer der verbündeten evangelischen Fürsten zählte 20 Tausende zu Fuß und 4 Tausende zu Pferd, und war mit allem Nötigen, auch mit Schiffbrücken, hinreichend versehen. Die Oberleitung stand unter dem Landgrafen Philipp von Hessen; Jost von Steinberg und Hermann von Malsburg befehligten die Reiterei, Hans von Bellersheim war oberster Zeugmeister, Graf Wilhelm von Fürstenberg hatte den ganzen Haufen der Knechte unter sich und muss als der eigentliche Feldherr angesehen werden, denn er war zum obersten Feldhauptmann mit einem großen Gehalt von den Fürsten bestellt. Graf Georg von Württemberg hatte auch ein Fähnlein dabei, jedoch war Prinz Christoph nicht dabei. Er hatte verbindlich versprochen, nichts gegen König Ferdinand zu unternehmen, zudem blieben auf diese Weise seine Regentschaftsansprüche gültig, auch wenn das Unternehmen missglücken sollte.

Und nun die österreichisch-katholische Gegenseite: An der Spitze der Abwehr stand der Pfalzgraf Philipp, ein ausgezeichneter Feldherr, der bereits Wien gegen die Türken verteidigt hatte. Er bekam von König Ferdinand zwar die Versicherung, dass ihm an Württemberg unendlich viel gelegen sei, aber Geld hatte das chronisch klamme Österreich dafür nicht. Eine Kriegssteuer für die Städte brachte nur ungenügende Mittel. 17 Hauptleute waren mit dem Werbegeschäft beauftragt, brachten aber in Württemberg nur ein unbefriedigendes Ergebnis zustande. Im Volke war man unzufrieden und wusste den ungewissen Ausgang des Kriegszuges wohl einzuschätzen, weshalb man lieber abwartete, anstatt aufs falsche Pferd zu setzen. König Ferdinand wollte deshalb eigentlich keine Schlacht wagen, sondern nur die festen Plätze besetzen und diese dann halten, insbesondere den Asperg und den Hohenneuffen, ansonsten aber den Krieg in die Länge ziehen und den Gegner dadurch zermürben. Die Heerführer wollten jedoch nicht hinter Mauern sterben, sondern sich zeigen und freie Hand haben. Darum zog man, als 400 Pferde und 10.000 zu Fuß zusammengebracht waren von Stuttgart aus in das Feld. Das erste Lager wurde bei Illingen aufgeschlagen, da man den Feind aus der Pfalz erwartete,. Es gab die Kundschaft, der Landgraf von Hessen werde bei Ladenburg über den Neckar setzen, dann über das Kraichgau und das Zabergäu oder über Bruchsal und Ötisheim ziehen. Wann er eintreffe sei unbekannt, doch werde man vor acht Tagen noch keinen Feind sehen. Man machte Verhaue und Verschanzungen in der Nähe von Maulbronn auf der Knittlinger Steige und glaubte, ruhig im Lager den Feind erwarten zu können.

Die Pfalz aber hatte den Durchzug verweigert. So konnte das hessische Heer mit Herzog Ulrich den bequemen Weg über die Bergstraße nicht einschlagen und musste durch den Odenwald ziehen. Das war zwar beschwerlich für das große, von unzähligen Wagen begleitete Heer, aber eine böse Überraschung für die Österreicher, weil der Gegner nun an einer anderen Grenze des Landes zum Vorschein kam, als vermutet. Darin lag schon der halbe Sieg. Am 8. Mai 1534 - es war das Datum des Tages, an dem Ulrich 19 Jahre zuvor den Mord begangen hatte, der ihn schließlich ins Exil brachte - an diesem Tage also kam Ulrich mit seinem Freund Philipp von Hessen aus dem Odenwald heraus. Das Heer hatte sich auf dem fünftägigen Weg durch die Straßen des Odenwaldes weit auseinandergezogen. Deshalb machte man in Neckarsulm zwei Tage lang Halt, um auf dessen ebenen Feldern das Heer zu sammeln und zu ordnen.

Die Verteidiger Württembergs erhielten nun die unerwartete Nachricht, der Feind sei bei Neckarsulm aus dem Odenwald gekommen. Das Heer brach hastig auf und zog - auch während der Nacht - ins Zabergäu, wohl zunächst quer über den Stromberg nach Sternenfels und dann über Güglingen und Brackenheim an die Zabermündung nach Lauffen. Dort lagerte man, wie es heißt „in der tiefen Ebene zwischen den Ufern der Zaber und des Neckars auf dem Wiesengrund bei dem Dorfe Lauffen“ (wir befinden uns hier im „Dorf Lauffen“ im Gegensatz zur befestigten „Stadt Lauffen“ auf der gegenüberliegenden Neckarseite); das Lager muss sich also von hier aus gesehen etwa 300m hangabwärts drunten auf den Zaberwiesen „im Brühl“ befunden haben. Das Lager war gut gewählt: Hier konnte man den Übergang über den Neckar verhindern; die Stadt Lauffen auf der anderen Neckarseite war befestigt, mit Geschütz wohl versehen und konnte als Brückenkopf dienen.

Ulrich benützte den zweitägigen Aufenthalt in Neckarsulm,, um die nächstgelegenen württembergischen Städte Weinsberg und Neuenstadt am Kocher unter Androhung von Gewalt aufzufordern, sich unter seinen Befehl zu stellen. Nach anfänglichem Widerstand taten diese das auch. Die Reichsstadt Heilbronn war bereits evangelisch und begrüßte die Unternehmung. Sie verkaufte Proviant an die hessischen Truppen, blieb ansonsten aber neutral und schloss während der Schlacht ihre Tore. Das Heer zog wohl auf der Weinsberger Seite an Heilbronn vorbei auf Sontheim zu und setzte am Dienstag, 12. Mai, bis zum Nachmittag an der dortigen Furt über den Neckar, teilweise benützte man auch die mitgebrachten Schiffsbrücken. Von dort zog man nur noch 4 Kilometer weiter zur alten württembergischen Grenze.

Die Schlacht
Beim Landturm am Landgraben an der Straße zwischen Großgartach und Nordheim kam es zur ersten Berührung mit dem Gegner. Was als kleines Scharmützel begann, entwickelte sich bis zum späten Abend zu einer halben Schlacht. Die österreichisch-württembergischen Truppen waren nämlich inzwischen dem Gegner von Lauffen herauf entgegengezogen und konnten zunächst mit einem Geschütz im Rücken des Gegners beträchtlichen Schaden anrichten, bis die Hessen ihrerseits ein Geschütz auf die Höhe gebracht hatten, und damit erreichten, dass die Württemberger nicht weiter nachrücken konnten. Schlimm war, dass der österreichisch-württembergische Oberfeldherr, der Pfalzgraf, durch eine Schlangenkugel, die ihm auch den Hengst tötete, schwer verwundet wurde und sich aus dem Gefecht tragen lassen musste. Es kam zu keiner Entscheidung; beide Teile rückten dann in der Dunkelheit in ihre Lager zurück. Im württembergischen Lager hier unten auf den Zaberwiesen muss es wüst zugegangen sein. Viele Soldaten machten die Nacht beim Lauffener Wein durch und spotteten über die Hessischen, nannten sie Bürstenbinder und Besenmacher und waren sich des Sieges sicher, andere sahen in der Verwundung des Oberfeldherrn, der in Lauffen lag, kein gutes Vorzeichen. Dietrich Spät, kaiserlicher Rat und Günstling des österreichischen Hofes, ein Jugendfreund Ulrichs und jetzt sein Gegner, ahnte wohl die bevorstehende Niederlage und setzte sich ab. Er ritt in der Nacht davon unter dem Vorwand, mehr Reiterei herbeiholen zu wollen.

Auf den 13. Mai 1534, den Mittwoch vor Himmelfahrt, war die Hauptschlacht zu erwarten. Es kam aber gar nicht dazu. Die Darstellungen widersprechen sich hier.  Nach Berichten von Kundschaftern aus Heilbronn und aus der Kurpfalz fiel die Entscheidung unten an der Zabermündung direkt vor Lauffen. Heyd dagegen meint, die Entscheidung sei noch auf der Nordheimer Höhe gefallen, unten im Tal hätten nur noch Rückzugsgefechte stattgefunden. Noch während die Württemberger in der Frühe sich mehr gegen Lauffen hin zurückzogen, wohl um dort in einer vorteilhafteren Position Aufstellung zu nehmen, schickte ihnen morgens um fünf Uhr der Landgraf von Hessen drei bis vier Geschwader Reiterei in die Flanke. Sie griffen von Hausen bei Brackenheim her an und drängten die österreichischen Truppen auf das Kloster von Lauffen zurück. Der Landgraf war inzwischen zum weiter zurückstehenden Fußvolk hingeritten, um es zur Unterstützung des Angriffs der Reiterei zu ermutigen. Das war aber gar nicht mehr entscheidend. Inzwischen hatte man das große Geschütz in Stellung gebracht und hundert Büchsenschützen griffen an. Die Wirkung war durchschlagend. Eine Stunde nur dauerte das Feuergefecht, dann begann die Flucht, zunächst unter den Fuhrknechten und den Mannschaften aus den württembergischen Ämtern. Die einen, Leute vom Lande, mochten für städtische Ross und Geschirre ihr Leben nicht wagen, die anderen waren sowieso bloß mit Widerwillen ausgezogen, da man doch kaum vorher die Bürger wegen befürchteter Sympathien für Ulrich entwaffnet hatte. Hauptleute, wie der verwundete Marx von Eberstein, Christoph Truchsess von der Scheer und andere, konnten den Widerstand nicht mehr erzwingen.

Die Hessen trieben die Österreicher und Württemberger vor sich her, einen Teil über den Abhang zum Neckar bei den Neckarinseln, andere durch den Hohlweg auf der Northeimer Straße, der zum Kloster Lauffen hinunter führt und nur für wenige breit genug ist, den Rest über die Weinbergterrassen zur Zaber hinunter, zum See und in die Sumpfwiesen in der alten Neckarschleife. Viele fanden im Neckar, den sie zu durchschwimmen versuchten, den Tod, andere blieben verletzt nach dem Sturz über die Weinbergmauern liegen.

Einig ist man sich darin, dass sich trotzdem der größte Teil des Heeres durch Flucht retten konnte. Wagen, Pferde, Zelte, Hebezeug, Harnische, Wehre und Sturmhauben lagen weit verstreut und wurden eine Beute der Hessen - aber nicht eine Fahne. Der schwer verwundete Pfalzgraf wollte zwar von Lauffen zu seinen Truppen gebracht werden, konnte aber bewogen werden, sich auf den Hohen-Asperg in Sicherheit bringen zu lassen. Die Österreichischen Truppen zogen sich kämpfend über den Berg bis nach Kirchheim am Neckar zurück. Dann ließ man sie laufen. Es ist unklar, warum die Hessen zögerten, den Fliehenden nachzusetzen und ihren Sieg auszunutzen. Wohlwollende Geschichtsschreiber behaupten, Ulrich habe um Gnade für sie gebeten. Jedenfalls zogen die Hessen zunächst nach Brackenheim und schlugen am Abend des 13. Mai ihr Lager vor der Stadt auf. Die geschlagenen württembergischen Truppen konnten sich unbehelligt durchs Neckartal über Besigheim in Richtung Hohen-Asperg und Stuttgart zurückziehen. Wer aus dem Ländle stammte, ging in seine Heimat, die Söldner nach Stuttgart, wo sie hoffen konnten sich wieder zu sammeln. Die Hessischen Soldaten spotteten, der Gegner sei bei Lauffen gelaufen und auf den Strichberg gestrichen worden.

Auf dem Hohen-Asperg lag der schwer verwundete Pfalzgraf. Bereits auf dem Wagen, der ihn dorthin brachte, hatte er das Bewusstsein verloren. Seine Beinwunde war nur notdürftig zugebunden worden und hatte sich entzündet. Man wollte ihm zuerst das Bein abnehmen, schnitt die Wunde dann aber nur auf. Er hat es überlebt und sein Bein behalten, aber die Wunde schloss sich nie wieder.

Dietrich Spät, der das Heer schon in der Nacht vor der Niederlage verlassen hatte, floh auf seine Besitzungen bei Zwiefalten, packte dort Geld und Kleinodien zusammen und floh weiter mit Ulrichs Frau Sabina. Über Weingarten und Bregenz kam er schließlich mit anderen Flüchtlingen in Augsburg an. Dort wurde er von jedermann gemieden. Er verlor alle seine Besitzungen, durfte Württemberg nicht mehr betreten und starb dann in Italien.

Die Machtübernahme in Württemberg
Am Himmelfahrtstag, 14. Mai, rückten die Verbündeten dem Asperg zu. In Bissingen ging es über die Enz. Gegen den Landgrafen Philipp war inzwischen vom Reichskammergericht ein Strafmandat wegen des Angriffs auf Württemberg ausgegangen. In Bissingen nun unterschieb der Landgraf eine Gegenerklärung auf das erwähnte Strafmandat. Markgröningen huldigte am gleichen Tag dem Kanzler des Herzogs und wurde mit drei Hauptleuten besetzt. Den Hohenasperg ließ man zunächst links liegen. Das rächte sich aber, da die königstreue Besatzung einen Ausfall auf den Schluss des landgräflichen Heeres unternahm. Man ließ nun den Ring um den Hohen-Asperg schließen, um ähnliches zu verhindern, auch, dass weitere Truppen dort Zuflucht suchten. Das Heer schlug sein Lager dann bei Untertürkheim auf. Der erste Stuttgarter, der die Fürsten - noch vor den Abgesandten der Stadt begrüßte, war der Stiftsdekan Johann Scheurer von Ofterdingen.

Am Freitag, 15. Mai, trafen dann die Abgesandten der Stadt Stuttgart bei den beiden Fürsten ein und erboten sich unter folgenden Bedingungen zur Kapitulation: Amnestie für die Kanzlei-Verwandten und andere, die sich wider Herzog Ulrich hätten brauchen lassen müssen; Bestätigung der städtischen Freiheiten und der Landesfreiheiten, namentlich des Vertrages von Tübingen; Sicherheit des Eigentums und Schutz vor Rache. Da die Bewilligung erfolgte, geschah die Huldigung sogleich auf den Wiesen beim Hirschbad. Daraufhin hielten die beiden Fürsten feierlichen Einzug in Stuttgart. Das Volk jubelte ihnen seine große Freude zu und verfolgte mit Spott die flüchtig gewordenen Königischen. Am Samstag, 16. Mai, und am Sonntag Exaudi, 17. Mai, ließ Ulrich in der Stuttgarter Stiftskirche zwei evangelische Predigten halten. Prediger war der hessische Hofprediger Konrad Öttinger. Ebenfalls für den Sonntag Exaudi sagte der Reutlinger Reformator Matthäus Alber eine Predigt im Lager bei Untertürkheim zu. Damit bekundete er seinen Willen zur Versöhnung; war doch die Eroberung Reutlingens 15 Jahre zuvor der Anlass zu seiner Vertreibung gewesen. Nachdem sich alle Städte und Ämter auf eine von Stuttgart aus erlassene Aufforderung hin ergeben hatten, blieben noch die festen Plätze: Schloss Tübingen ergab sich nach 10 Schüssen am 19. Mai, Hohen-Urach verteidigte sich bis zum 25. Mai. Der Hohen-Neuffen hielt sich noch. Wann er übergeben wurde, weiß ich nicht. Auf den Hohen-Asperg aber musste man mit aller Macht losziehen. Der Landgraf schlug am 29. Mai in Ludwigsburg-Eglosheim sein Lager auf und befahl Hunderte von Bauern zum Schanzen. Die Belagerten forderten freien Abzug; der  Landgraf wollte diesen aber nur dem verwundeten Pfalzgrafen gewähren. Der jedoch wollte das Schicksal der Besatzung teilen und verlangte, man solle ihm eine Büchse in die Hand geben, „damit, ehe er auf seiner Lagerstätte totgeschlagen werde, er seinen Mann vorauf mitnehme“. Daraufhin begann die Beschießung. Bis zum Morgen des 2. Juni zählten man in der Festung über 600 Einschläge. Die Beschädigungen an der Festung waren so beträchtlich, dass die Belagerten schließlich um Übergabe nachsuchten.

Damit waren die militärischen Tatsachen geschaffen, denen rasch die politische Bereinigung folgte. Unter Vermittlung des Kurfürsten von Sachsen wurde mit König Ferdinand verhandelt. Im Vertrag von Cadan (Kaaden in Böhmen) am 29. Juni 1534 wurde Herzog Ulrich zwar bestätigt, musste aber die Afterlehenschaft zu Österreich zugestehen. Indem er dieses - für ihn schmerzhafte - Zugeständnis in Kauf nahm, erhielt er aber das vorläufige Recht, Württemberg nach dem Augsburger Bekenntnis zu reformieren. Außerdem rettete er Hessen vor der Gefahr einer Vergeltung durch Österreich.

Spuren?
Was ich hier geschildert habe, sind die äußeren Ereignisse, die Württemberg der Reformation öffneten. Sie stellen ein ernüchternd profanes Stück Machtpolitik dar. Aber: Sie machen nur einen Teil der historischen Wirklichkeit aus. Der Entschluss Ulrichs, mit der alten Kirche zu brechen und das Land der Reformationsbewegung anzuschließen, mag von seiner Seite aus ein dynastischer Willkürakt gewesen sein, er kam aber der Stimmung in weiten Bevölkerungskreisen entgegen. Wie weit die Glorifizierung Ulrichs in diesen Tagen fortgeschritten war, zeigt ein Lied auf den Herzog, das ein Stuttgarter Bäckermeister beim Nachtbacken erdacht hat: „Du hast das schwert in deiner hand, / das dir Gott vom himmel hat gesant, / für sie auf gute waide / nach Christi wort und seiner ler, / so samlest du ein großes her; / den wolf treib aus dem Lande, / der deine schäflein hat verfürt, / verjagt, verbissen und ermirdt; / raich inen dein gnedig hände!“

Gibt es Spuren der Schlacht von Lauffen? Vielleicht eine einzige: An der Nordheimer Steige auf Lauffener Markung steht heute noch „Langhansens Kreuz“. (Man findet es, wenn man die Straße von Lauffen in Richtung Nordheim fährt, etwa 150m hinter der Bergkuppe nachdem sich die Straße wieder leicht abwärts neigt, an der linken Straßenböschung.) Schon 1537 wird es erwähnt, es stand damals wohl noch weiter hinten im Feld am Geisbühl. Erst später wurde es zusammen mit einem anderen Kreuz am Rande der Nordheimer Steige aufgestellt. Des Langhansen Kreuz trägt vorne und hinten das Wappen der Herren von Talheim und auf der Vorderseite die Inschrift: „Da man zalt nach ... 15 ... jar uf nechsten durnstag nach ... pfingsstag starb her Hans von Dalheim dem Got gnedig sey.“ Die unvollständige Jahreszahl dürfte wohl auf 1534 zu ergänzen sein, der Donnerstag nach Pfingsten war der 28. Mai. Hans von Talheim dürfte also in der Schlacht verwundet worden und zwei Wochen danach verstorben sein. Werner Heim vermutet in ihm jenen Hans von Talheim, der einst (1516) Hohentübingen mit verriet, und nun zusammen mit seinem Bruder Bernhard im hessischen Heer diente und Württemberg seinem Herrn wiedergeben half.
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